Aus mehreren vom Täter verfassten Texten gehe hervor, dass er einen "Hass gegen die Menschheit im Allgemeinen und gegen die Institution Schule" hatte, sagte Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger am Montag vor Journalisten in Ansbach.

Er fühlte sich demnach ungerecht behandelt, ausgegrenzt und nicht anerkannt. Zudem habe er in den gefundenen Texten die Angst geäußert zu erkranken, seine Matura nicht zu bestehen und damit keine Zukunft zu haben. Der 18-Jährige "wollte nicht mehr leben", sagte Lehnberger. Er habe damit gerechnet, von der Polizei getötet zu werden.

Die von dem Täter verfassten Texte, die laut Staatsanwaltschaft an eine "fiktive Ansprechpartnerin" gerichtet waren, sowie weitere Dokumente konnten die Ermittler im gelöschten Bereich des sichergestellten Laptops des 18-Jährigen rekonstruieren. Insgesamt stellten die Ermittler den Angaben zufolge rund 80 Seiten Text wieder her, die deutliche Hinweise auf die Tat und die Gedanken des Täter geben.

Tat war lange geplant

Dem zuständigen Staatsanwalt Jürgen Krach zufolge geht daraus hervor, dass der 18-Jährige den Amoklauf an der Schule über Monate hinweg geplant habe. Bereits Anfang April habe er in den Schriftstücken erste Andeutungen zu der Tag gemacht und im Mai und Juni konkrete Pläne ausgearbeitet, bis hin zur Bewaffnung, der Tatzeit und zur Etage des Schulgebäudes.

Der 18-Jährige hatte am Donnerstag in Ansbach mit Axt und Molotow-Cocktails bewaffnet neun Schüler und einen Lehrer zum Teil lebensgefährlich verletzt. Vier Tage nach dem Amoklauf ist der schwer verletzte Täter aus dem künstlichen Koma erwacht. Da der 18-Jährige zu den wenigen überlebenden Amokläufern überhaupt gehört, erhoffen sich die Ermittler nun von seiner Befragung Aufschluss über seine Beweggründe. Er sei ansprechbar, aber bisher noch nicht vernommen worden, sagte Lehnberger.