Manchmal ist es in der U-Bahn oder auf der Straße so, dass man ein paar jungen Männern begegnet, und die Begegnung dann unerfreulich bis tragisch verläuft. Viele junge Männer tragen so eine gewisse Aggressionsbereitschaft in sich, die sie selbst dann - wenn es zu spät ist - nicht so recht erklären können. Jedenfalls sind sie voll diffuser Wut, und die sucht sich manchmal ein Ventil.

Diffuse Wut gibt es auch in der politischen Landschaft, und die sucht sich meist ihr Ventil in der Wahl extrem rechter Parteien. Und wieder sind es überproportional junge Männer, die da als Wähler infrage kommen. Bei der Vorarlberger Landtagswahl zeigte sich wieder: Die FPÖ schaffte bei Männern unter 30 rund 41 Prozent, was sie zur stärksten Partei in dieser Wählerschicht machte, ein Phänomen, das auch bei den meisten anderen Wahlen zu beobachten ist. Der typische FPÖ-Wähler ist männlich, sehr oft jung und voll Wut. Gegen "die da oben", die so viele Ausländer hereinlassen, gegen die Ausländer selbst usw. Junge Männer, vor allem aus der Arbeiterschicht, neigen zu "starken Männern", zu harten und einfachen "Lösungen". Das bietet die FPÖ. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 22.9.2009)