Seit einger Zeit laufen in Wien, Niederösterreich und der Steiermark Pilotprojekte zur Vorbeugung gegen Invaldiditätspensionen, und das mit einigem Erfolg, sagt Gernot Mitter von der Arbeiterkammer in Wien im Ö1-Morgenjournal. In etliche Fällen habe den Menschen geholfen werden können. Deshalb sollten diese Pilotprojekte ausgedehnt werden, fordert Mitter.

Die Maßnahmen sind eine Möglichkeit, Frühpensionierungen entgegenzuwirken, indem mehr auf Rehabilitation und auf Früherkennung gesetzt wird. Die Zahl der Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeits-Pensionen steigt stetig, derzeit sind mehr als 450.000 Personen in Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension. Eine Reform der Invaliditätspension, die von der Regierung geplant ist, ist noch ausständig.

Projekt

Das Projekt im Detail: Wenn sie sich gesundheitlich beeinträchtigt fühlen, können sich sich Arbeitnehmer oder Betriebe für ihre Mitarbeiter melden. Seit Beginn des Projekts im Jahr 2005 wurden in Wien etwa 2000 Betroffene betreut. Zu Beginn werde der gesundheitliche Status erhoben und ein "berugsdiagnostisches Gutachten" erstellt, also festgestellt, welche Tätigkeit eine Person mit der eingeschränkten Gesundheit noch machen kann. Dann werde ein Arbeitsplatz gesucht, der nicht zu weiteren Beeinträchtigungen führt, sagt Gernot Mitter, von der Abteilung Arbeitsmarkt und Integration in der Arbeiterkammer in Wien im Ö1-Interview.

Dabei gehe es vorerst um das Vermeiden von sehr viel Leid, Schmerzen und auch Einkommensverlusten, aber auch darum, den Zugang zur Berufsunfähigkeitspension einzubremsen. Dieses Projekt könne aber eine Reform der Invaliditätspension nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.

Bei den bisher betreuten Fällen gebe es bereits schwere Erkrankungen - immer mehr psychische Probleme, vor allem aber auch Erkrankungen der Wirbelsäule. Wichtig wäre, dass Betroffene schon früh Hilfe suchen, denn erste Krankheitsmerkmale treten bereits zehn Jahre vor einer Invaliditätspension auf, sagt der Experte.

Mitter hofft, dass dieses Projekt auf 10.000 Fälle pro Jahr in ganz Österreich erweitert werde. Dafür wären 15 Millionen Euro nötig. Wievielen die Invaliditätspension dadurch erspart würde, kann er nicht abschätzen, aber: "Wenn ein Viertel der betreuten Personen nicht in Invaliditätspension gehen muss, dann ist schon viel gelungen." (red)