Wien - Die Bedingungen waren nicht die leichtesten für die "art albertina". Geplant wurde sie, als von der Finanzkrise noch keine Rede war und vom eintretenden Wasser ins Albertina-Depot schon gar nicht. Aber nun ist sie fertig eingerichtet, die erste internationale Wiener Messe für Zeichnung, die in der Propter Homines Halle des Museums 27 Aussteller auf 800 Quadratmetern versammelt und mit ihnen ab morgen Mittwoch, bis zum Sonntag (27.) einen exquisiten Blick auf die edle Kunst der Zeichnung wirft.

"Immer wieder ist die Frage nach dem Warum für diese Messe gekommen - von den Ausstellern kein einziges Mal", freute sich Direktor Klaus Albrecht Schröder beim heutigen Presserundgang, wenn auch nur als Hausherr, nicht als Veranstalter, über die rege internationale Teilnahme. Aussteller wie Michael Haas und Michael Werner aus Berlin fügen sich in den Reigen der österreichischen Galerien und Kunsthändler und bringen Baselitz und Warhol zwischen Klimt, Herbert Brandl oder Max Weiler. Die Pariser Galerie Beres hat ihre umfangreiche Präsentation mit Schätzen von Fernand Leger, Frantisek Kupka, Degas und immer wieder Klimt bestückt. "Der Platz hier in dem weltbekannten Museum ist einfach fantastisch", gab sich Galeristin Anisabelle Beres-Montanari im APA-Gespräch euphorisch. Mit der lange etablierten Pariser Zeichnungsmesse "Salon du Dessin" könne man noch keine Vergleiche ziehen - "aber ich habe bei meinem Rundgang einige wunderbare Stücke entdeckt".

Es ist eine Messe, der man ansehen darf, dass sie teuer ist. Und das meint nicht nur die Standkosten - wie die Veranstalter artport.cc betonen "im Durchschnitt nicht mehr als 10.000 Euro". Echte Liebhaber fordert es für fragile Kleinformate, die ebenfalls für an die 10.000 Euro aufwärts zu haben sind, 150.000 Euro kostet ein wunderbar erhaltenes Aquarell von Auguste Herbin. Nicht nur im heimischen Galerienaufgebot findet sich eine breite Palette von Zeichnungen österreichische Maler, von Arnulf Rainer über Günter Brus bis zu Hermann Nitsch, von dem eine Reihe aus sechs großen Papierarbeiten von der 16. Aktion um 500.000 Euro beim Kunsthandel Konzett feilgeboten wird.

Etwa zur Hälfte kommen die Aussteller aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland, zwölf darunter nehmen zum ersten Mal an einer österreichischen Messe teil. "Ich glaube ich war einer der ersten, die sich angemeldet haben", erzählt der Hamburger Kunsthändler Dierk Lemcke gegenüber der APA. Mit seiner Galerie St. Gertrude widmet er Horst Janssen eine Schau zu dessen 80. Geburtstag. "Er war der erste lebende Künstler, der hier in der Albertina ausgestellt wurde" - da war eine Teilnahme an der ersten "art albertina" natürlich unumgänglich und umso erfreulicher, wenn trotz Krisen und Katastrophen "alles so wirklich schön wird". Mit Alfred Kubins 50. Todestag wird auch am Stand der Galerie Altnöder ein Anlass per Einzelpräsentation gewürdigt. Für die frühe Arbeit "Das Unheil" sind 55.000 Euro veranschlagt, für Kubin-Liebhaber gibt es auch ein 122 Seiten umfassendes Skizzenbuch zum Frühwerk.

Neues und Zeitgenössisches setzt durchaus sichtbare Akzente in der arrivierten Messe-Ästhetik. So zeigt die Galerie Thoman eine Reihe neuer Landschafts-Monotypien von Herbert Brandl, Michael Werner bringt Eugene Leroy und Markus Lüpertz und Heike Curtze gestaltete ein dichtes Kabinett neuer Arbeiten von Tomak. Aus der Pariser Dependance der Galerie Thaddäus Ropac sind Grafiken von Tony Cragg angereist und mit Paris und der "Salon du Dessin" will sich die neue Spezialmesse künftig auch nicht zu ergänzen und vergleichen scheuen. "Ich gehe davon aus, dass wir in zwanzig Jahren ebenfalls auf eine gute Tradition zurückblicken werden", warf Schröder bereits einen optimistischen Blick in die Zukunft und wieder zurück. (APA)