Paris - Der iranische Staatschef Mahmoud Ahmadinejad strebt offenbar einen Gefangenenaustausch mit Frankreich an. Angesprochen auf die im Iran gefangen genommene 24-jährige Clotilde Reiss, sagte Ahmadinejad am Dienstagabend im Fernsehsender "France 2", in französischen Gefängnissen säßen "seit mehreren Jahren mehrere Iraner" ein. Auch sie hätten eine Familie. "Leider haben wir die französische Regierung bisher nicht zu ihren Gunsten handeln sehen", sagte der Präsident.

Die französische Tageszeitung "Le Figaro" hatte zuvor berichtet, dass Frankreich darüber nachdenke, den zu lebenslanger Haft verurteilten Iraner Ali Vakili Rad an seine Heimat zu überstellen. Vakili Rad hatte 1991 den früheren iranischen Regierungschef Chapour Bakhtiar ermordet. Sein Anwalt, Zorin Margoulis, beantragte nach eigenen Worten im August eine Freilassung unter Auflagen, damit der Iraner in seine Heimat abgeschoben werden könne.

Die im Juni festgenommene Reiss dagegen sei unschuldig, betonte das französische Außenamt am Dienstagabend. "Wir erwarten, dass sie schnellstmöglich nach Frankreich zurückkehren darf." Reiss hatte als Lektorin an einer iranischen Universität gearbeitet und war bei den Protesten gegen Ahmadinejads umstrittene Wiederwahl im Juli verhaftet worden. Sie durfte nach eineinhalb Monaten aus dem Gefängnis und steht seitdem in der französischen Botschaft unter Hausarrest. Sie darf das Land nicht verlassen. (APA)