In Vietnam stehen seit Dienstag 16 Beamte, Ärzte und Krankenschwestern wegen des Verdachts vor Gericht, Babys gegen viel Geld an Adoptionseltern im Ausland verkauft zu haben. Nach Angaben der vietnamesischen Medien sollen sie zwischen 2005 und 2008 die Papiere von insgesamt 266 Kindern in der Provinz Nam Dinh gefälscht haben, um sie als vermeintliche Waisen zur Adoption freizugeben.

Unter den Angeklagten sind demnach auch die Leiter zweier Hilfszentren in der Provinz, die vor allem mit Adoptionsstellen in Italien und Frankreich zusammengearbeitet haben sollen. Nach Angaben des Provinzgerichts müssen sie sich unter anderem wegen Machtmissbrauchs verantworten. Das Urteil wird für kommenden Montag erwartet.

Ans Tageslicht kam der Skandal im vergangenen Jahr durch einen vernichtenden Bericht der US-Botschaft über den Handel mit Babys in dem südostasiatischen Land. Deren Untersuchungen hatten ergeben, dass Vermittlungsagenturen in den USA pro Kind bis zu 10.000 Dollar an "Spenden" zahlten - im Gegenzug wurden Geburtsurkunden gefälscht und versichert, dass die Babys von ihren Eltern verlassen wurden.

In Wirklichkeit wurden die leiblichen Eltern in den meisten Fällen unter fadenscheinigen Gründen dazu gebracht, ihre Kinder den Betreuern anzuvertrauen. In anderen Fällen erhielten schwangere Mütter Geld dafür, dass sie ihre Neugeborenen weggaben. Als Folge des Skandals stoppten die USA alle Adoptionen in Vietnam, andere Länder folgten. (APA)