Wien - Der Olympia-Berater und Journalist Erwin Roth und der Ex-ÖSV-Cheftrainer Walter Mayer sitzen am 17. September 2009 in einem Hotelzimmer des Salzburger Sheraton hinter einem Schreibtisch und plaudern über ihr gemeinsames Leben. Roth hält ein Blatt Papier in eine Videokamera: eine Vollmacht Mayers für Roth. Mit dem Schrieb in der Hand verhandelte Roth im Februar 2007 bei Mayers Gläubigern Schuldenerlässe und -tilgung für insgesamt 638.000 Euro.

Mayer wollte sein Haus lastenfrei stellen und es seiner Frau Gerlinde sowie dem Sohn Marc überschreiben. Wenn Roth das organisierte, wollte ihm Mayer seine Lebensgeschichte erzählen. Roth verhandelte, zahlte mit seiner kroatischen Firma den Rest von 290.000 Euro (265.000 an die Raika Kuchl, 25.000 an die Raika Radstadt) und vereinbarte am 5. Februar 2007 einen Darlehensvertrag mit Mayer. Gerlinde Mayer bestätigte, dass das Haus in der Ramsau jetzt ihr und ihrem Sohn Marc gehöre und schuldenfrei sei.

Am 8. Februar zog Walter Mayer seine Klagen gegen den IOC-Präsidenten Jacques Rogge und den Wada-Chef Dick Pound zurück. Zeitlicher Zufall, sagen Mayer/Roth. Und die zeitnahe Überweisung von 300.000 Euro von der Salzburger Winterspiele 2014 GmbH an den Olympia-Förderverein? Zufall. Roth sagt, er habe Mayer 290.000 Euro aus seinem Privatvermögen bezahlt, niemand habe sie refundiert, der Zusammenhang mit der Klagsrückziehung Mayers sei "frei erfunden" .

Mayer wirkt am Beginn der Video-Aufzeichnung (rund 90 Minuten) mürrisch, als wäre er nicht ganz freiwillig in diesem Zimmer. Doch als seine Schuldentilgung besprochen wird, ist er hellwach.

Ein Deal, so oder so

Roth will mit der Video-Session unter anderem die oft kolportierte Behauptung widerlegen, er habe Mayer im Februar 2007 unter der Bedingung gekauft, dass er Rogge/Pound - und damit Salzburgs Bewerbung - in Ruhe lasse. Mayer/Roth erzählen hingegen, dass Mayer Anfang 2007 sein "altes Leben hinter sich lassen" , Ehefrau Gerlinde und Sohn Marc absichern, sich scheiden lassen und künftig mit seiner Lebensgefährtin Eva-Maria Gradwohl leben wollte.

Mayer zu Roth (im Video): "Die Schuldentilgung durch dich hat mir natürlich die Klagsrückziehung erleichtert. Vorher war das Haus verschuldet, der Marc ungesichert, die Frau hat keine Arbeit gefunden."

Doch die von Roth erhoffte Lebensbeichte legte Mayer nicht ab. Nach einigen fruchtlosen Anläufen brach Roth den Kontakt ab. Bis Mayer behauptete, das Bundesheer habe ihm einen "Maulkorb" umgehängt. Roth argwöhnte, von Mayer getäuscht worden zu sein, und klagte auf Rückzahlung der 290.000 Euro. Mittlerweile scheint der Zwist beendet.

Mayer ist bis heute noch nicht geschieden. Er sagt, dass Gerlinde über ihren Anwalt Peter Vogl eine Unterhaltsklage eingebracht habe. "Obwohl ich das alles gemacht habe." Am Ende des Videos schildert Mayer, wie er im Frühjahr 2007 zu Gerlinde gefahren ist, das Haus war frei und er würde es auch bald sein. Mit einem Haberer sei er feiern gegangen, dabei sei ihm die Aktentasche abhanden gekommen. Als er sie wiederfand, war der Vertrag mit Roth weg. Im August 2008 tauchte er in einer Tageszeitung auf. Mayer argwöhnt, dass ihm der Vertrag während seiner Sauferei in der Ramsau entwendet und der Zeitung zugespielt worden ist. Vogl beruft sich, auf die Vertretung der Gerlinde Mayer angesprochen, auf seine anwaltliche Verschwiegenheitspflicht.

Aber auch ohne Vertrag wird Mayer eines Tages seine Geschichte erzählen. (josko - DER STANDARD PRINTAUSGABE 23.9. 2009)