Talin Barisani-Asenbauer, Augenärztin und künftige Leiterin eines Laura-Bassi-Zentrums.

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Das Trachom, eine durch Bakterien verursachte Augenerkrankung, kann unbehandelt zur Erblindung führen. Bis heute ist die Krankheit in den Armutsgebieten der Erde verbreitet. Talin Barisani-Asenbauer will mit ihrem LauraBassi-Exzellenzzentrum Ocuvac leicht zu verabreichende, kostengünstige und ungekühlt haltbare Vakzine gegen Chlamydia trachomatis entwickeln.

Das Reservoir für den Keim sind Kleinkinder, bei denen die Infektion eine anfangs harmlose Bindehautentzündung auslöst. Übertragen werden die Chlamydien durch Fliegen und Augensekret. "Von den wiederkehrenden Infektionen, die schließlich zur Erblindung führen können, sind vor allem weibliche Verwandte betroffen, die sich um die Kleinen kümmern", berichtet die Augenärztin.

Die 44-jährige Entzündungsspezialistin will gegen die Erreger "Bakteriengeister" einsetzen. Bacterial Ghosts sind gleichsam entleerte Hüllen gramnegativer Bakterien, deren Zellwände enzymatisch durchlöchert wurden. Mit Wirkstoffen gefüllt oder mit Antigenen des Trachom-Keims gespickt, könnten diese - dem natürlichen Infektionsweg folgend - das Immunsystem effektiv aktivieren. "Gerade die leicht zugängliche Schleimhaut der Augen könnte für die Gabe von Impfstoffen geeignet sein, wurde aber bisher nicht genutzt. Außerdem kann jeder Augentropfen verabreichen. Wir bräuchten für unsere Vakzine keine Nadeln, keine Ärzte und keine Kühlkette, was Kosten spart", so die künftige Ocuvac-Leiterin.

Das Laura-Bassi-Konsortium aus Wirtschaft und Wissenschaft ist das Ergebnis jahrelanger aktiver Vernetzung und Aufbauarbeit einer klinisch arbeitenden Ärztin, die den Kontakt zur Grundlagenforschung als eminent wichtig erachtet. Wenn sich das Prinzip bewährt, soll es auch gegen Krankheiten der industrialisierten Welt eingesetzt werden.

Seit 1994 leitet die Halbarmenierin, die Uveitis-Ambulanz der Uni-Klinik für Augenheilkunde und Optometrie in Wien mit zahlreichen Schnittstellen zu Tropenmedizin, Rheumatologie, Onkologie und Kinderheilkunde.

Ihr Aufgabenbereich in der Augenheilkunde ist sehr vielfältig, weil das Auge zwei Wege kennt, sich zu wehren: Die Bindehaut reagiert als Schleimhaut direkt auf Reize etwa mit Tränen. Im Augeninneren hingegen, wird eine Immunantwort primär aktiv unterdrückt, da jede Entzündung sofort das Sehvermögen gefährden würde: "Viele Parasiten lassen sich im Auge nachweisen, wo sie lange unbehelligt bleiben und nicht auffallen", sagt Barisani-Asenbauer. Auch Krankheitsbilder wie Rheuma manifestieren sich oft im Auge, bevor die Gelenke wehtun. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 23.09.2009)