New York - Vor der Rede des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad bei der UNO-Generaldebatte erwägen die EU-Delegationen einen Boykott, sollte Ahmadinejad provozieren. Derzeit berieten die 27 EU-Botschafter über eine gemeinsame Linie, wie am Dienstag (Ortszeit) aus der französischen Delegation in New York verlautete. Es gehe unter anderem darum zu klären, bei welchem Stichwort sie gemeinsam die Generalversammlung verlassen würden, sollte Ahmadinejad seine Rede zu neuerlichen Attacken nutzen.

Nach Informationen der Zeitung "Handelsblatt" (Mittwoch-Ausgabe) erteilte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier den deutschen Vertretern bereits entsprechende Anweisungen. Mitte April hatten die EU-Vertreter bei der Anti-Rassismus-Konferenz der UNO im südafrikanischen Durban den Saal verlassen, als Ahmadinejad in Anspielung auf Israel von einer "rassistischen Regierung" gesprochen hatte. Erst vor wenigen Tagen hatte Ahmadinejad in einer Rede in Teheran den Holocaust zum wiederholten Mal als Mythos bezeichnet.

Israel und die USA wollten Ahmadinejads Auftritt bei der Generaldebatte am Mittwoch ohnehin boykottierten, hieß es aus dem Umfeld des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Israel habe im Vorfeld eine Kampagne gestartet, um möglichst viele Mitstreiter für einen Boykott zu gewinnen. Demnach gebe es den Vorschlag, dass die 27 EU-Länder geschlossen aufstehen sollten und deren Vertreter möglichst laut auftretend vor dem Rednerpult vorbeigehend den Saal verlassen sollten. (APA)