Berlin - Rund vier Millionen Deutsche haben am Sonntag in der Wahlkabine mehr zu tun als die übrigen Wahlberechtigten: Neben der Bundestagswahl finden in Schleswig-Holstein und in Brandenburg auch noch Landtagswahlen statt. In beiden Ländern regiert eine große Koalition aus SPD und CDU.

Vorzeitig auseinandergebrochen ist das schwarz-rote Bündnis an der Waterkant. Nach schweren Zerwürfnissen wegen der Verluste der landeseigenen HSH Nordbank warf Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen (CDU) die SPD-Minister kurzerhand aus der Regierung. Das Verhältnis zwischen ihm und SPD-Landeschef Ralf Stegner ist derart zerrüttet, dass die Neuauflage einer großen Koalition unmöglich erscheint. Für Carstensens Wunschkoalition aus CDU und FDP wird es aber letzten Umfragen zufolge nicht reichen. Daher könnte es in Kiel zur ersten "Jamaika-Koalition" (CDU, FDP, Grüne) in einem deutschen Bundesland kommen.

In Brandenburg wird regulär gewählt. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der auch einmal fünf Monate lang SPD-Bundesvorsitzender war, kann sich den Koalitionspartner danach aussuchen. Er tendiert wieder zur CDU, denn die Linkspartei wird in Brandenburg von einer ehemaligen Stasi-Mitarbeiterin geführt. (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2009)