Wien/Brasília - Je strenger die Gesetze gegen Kinderpornos werden, desto vorsichtiger und trickreicher agieren Sammler und Händler im Internet. Beim jüngsten Schlag gegen ein internationales Netzwerk, das über eine in Brasilien angemeldete Homepage lief, konnten in Österreich 43 Beteiligte ausgeforscht werden. Den Verdächtigen wurden insgesamt 471 IP-Adressen zugeordnet - jeder hatte also mehr als nur ein stilles virtuelles Kämmerchen für seine illegalen Geschäfte.

Anwälte und Physiker darunter

31 der Verdächtigen, darunter zwei Anwälte und ein Physiker, sollen laut Bundeskriminalamt kinderpornografische Bilder und Videos auch weitergegeben haben, alle wurden auf freiem Fuß angezeigt. Das bei 39 Hausdurchsuchungen sichergestellte Material hat ein Datenvolumen von 33 Terabyte. Die brasilianische Polizei hatte die umfangreichen Ermittlungen vor eineinhalb Jahren als "Operação Carrossel" gestartet.

Suchen von kinderpornografischen Darstellungen verboten

In Österreich wurden die Strafbestimmungen gegen Kinderpornografie erst im Juni verschärft. Seither ist auch das gezielte Suchen von kinderpornografischen Darstellungen im Internet verboten. Wer also einschlägige Schlagworte in einer Suchmaschine eingibt oder eindeutige Links anklickt, muss damit rechnen, via Netzwerkermittlung als Verdächtiger ausgeforscht zu werden.

Betrachten von Kinderpornos reicht für Strafe

Im Gegensatz zu früher, als eine Speicherung von Daten Voraussetzung für Strafverfolgung war, reicht jetzt schon das vorsätzliche Betrachten von Kinderpornos. Sind die dargestellten Opfer unmündig (unter 14), drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis, bei pornografischer Darstellungen von Minderjährigen beträgt die Höchststrafe ein Jahr Haft.

Wer zufällig verbotene Inhalte entdeckt (das lässt sich durch Auswertung von Verbindungsdaten nachvollziehen), hat nichts zu befürchten. Auf das Weitermailen von Kinderporno-Seiten stehen bis zu drei Jahre Haft, was aber nicht heißt, dass verdächtige Seiten der Polizei (meldestelle@interpol.at) nicht mehr mitgeteilt werden dürfen. Im Vorjahr gingen dort 5238 Hinweise ein. (simo, DER STANDARD Printausgabe 24.9.2009)