Bild nicht mehr verfügbar.

Irans Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in New York vor seinem Auftritt bei den Vereinten Nationen. Israel wollte die Rede boykottieren.

Foto: AP/Abrams

New York/Teheran - Kurz vor der Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadi-Nejad vor der Uno in der Nacht auf Donnerstag versammelten sich tausende Iraner, die aus der ganzen Welt nach New York gekommen waren - unter anderem eine Gruppe, die mit dem Rad aus Kanada angereist war -, um gegen die Politik Ahmadi-Nejads und die Unterdrückung der iranischen Opposition zu protestieren. Die Demonstranten trugen grüne Schleifen, auf Bildschirmen wurden die Demos in Teheran gegen die Wahlfälschung nochmals ins Bewusstsein gerufen.

Israel rief zu einem Boykott der Rede Ahmadi-Nejads auf. Die EU-Staaten berieten, bei welchem Stichwort sie die Generalversammlung verlassen würden, sollte Ahmadi-Nejad seine Rede zu neuerlichen Attacken nutzen.

Zum ersten Mal nach den umstrittenen Wahlen kam am Dienstag in Teheran der Expertenrat zu einer dreitägigen Sitzung zusammen. Der Sprecher des Expertenrats, Hashemi Rafsanjani, meinte: "Wir werden versuchen, ein Kommuniqué zu verfassen, in dem ein Ausweg aus der Krise aufgezeigt wird." Mit dem richtigen Verständnis und vernünftigen Entscheidungen könne man die Situation in vernünftige Bahnen lenken. Der Expertenrat besteht aus 86 Religionsexperten, die für fünf Jahre gewählt werden und zwei- oder dreimal im Jahr tagen. Nach der iranischen Verfassung überwacht der Expertenrat die Entscheidung des religiösen Führers - zurzeit Ayatollah Ali Khamenei - und kann ihn notfalls absetzen.

Heute wird im Expertenrat über ein Abschlussdokument diskutiert. Das von konservativen Mitgliedern vorgeschlagene Kommuniqué fordert eine bedingungslose Unterstützung für Khamenei, während ein zweites Kommuniqué - erarbeitet von Gemäßigten - stärker die politische Krise nach den Wahlen betont. Es wird mit einem Kompromiss zwischen den beiden Kommuniqués gerechnet. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 24.9.2009)