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Grafik: APA

Wien - In ein bewegtes Studienjahr starten die Universitäten mit 1. Oktober. Mit diesem Tag tritt der neue Kollektivvertrag (KV) für die rund 30.000 Uni-Beschäftigten in Kraft. Erstmals ist der weitgehende Entfall der Studiengebühren am Beginn eines Studienjahres wirksam, weshalb die Unis einen neuerlichen Studentenansturm befürchten. Zumindest einzelne Unis werden von der neuen Möglichkeit für qualitative Zugangsbedingungen für Masterstudien Gebrauch machen. Und bis Jahresende müssen die Hochschulen im Rahmen der Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Unis ihr Budget für 2010 bis 2012 aushandeln.

Erster Kollektivvertrag für Uni-Bedienstete tritt in Kraft

Mit 1. Oktober tritt der erste KV für die rund 30.000 allgemeinen, wissenschaftlichen und künstlerischen Uni-Bediensteten in Kraft. Eckpunkte des neuen Regelwerks sind ein neues Laufbahnmodell für Wissenschafter, höhere Anfangsgehälter und eine Pensionskassenregelung. Noch wird an den Unis auf Hochtouren an Betriebsvereinbarungen zu einzelnen Punkte des KV gearbeitet, damit dieser in der Praxis funktioniert.

Wegen der neuen Studiengebühren-Regelung blicken die Hochschulen mit einiger Sorge auf den Herbst: Beim "schiefen" Einstieg ins Uni-Jahr im Sommersemester gibt es üblicherweise nur wenige Studienanfänger. Doch der weitgehende Entfall der Studiengebühren hat heuer mit einem Plus von rund 27 Prozent Erstzugelassenen gegenüber dem Sommersemester davor einen kleinen Studentenansturm ausgelöst. Beim regulären Beginn des Uni-Jahrs befürchten die Rektoren deshalb einen starken Zuwachs an Studierenden. Uni Wien-Rektor Georg Winckler etwa rechnet mit einem Anstieg der Studentenzahl an seiner Uni von bisher 74.000 auf rund 80.000.

Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Hochschulen stehen an

Vielleicht kommt den Unis ein solcher Run gar nicht so ungelegen, hätten sie damit doch ein Argument für mehr Budget bei den Verhandlungen über die neuen Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Hochschulen für die Periode 2010 bis 2012. Die Vereinbarungen müssen bis Jahresende abgeschlossen sein. Allerdings ist das Gesamtbudget für alle Unis fixiert, bei den Verhandlungen geht es nun vor allem darum, wie groß das Kuchenstück ist, das jede einzelne Universität erhält. In den vergangenen Tagen wurde Kritik an der Verhandlungsführung des Wissenschaftsministeriums laut, der Rektor der Montanuniversität Leoben, Wolfhard Wegscheider, sprach von "Vergewaltigung der Unis" und "apodiktischen Forderungen" des Ressorts.

WU definiert für Masterstudien Zugangsvoraussetzungen

Noch keine Auswirkungen wird die Verpflichtung für Studieneingangsphasen haben, wie sie die vor dem Sommer beschlossene Novelle zum Universitätsgesetz (UG) vorsieht. Damit haben die Universitäten bis Herbst 2011 Zeit. Dagegen gibt es Hochschulen, die bereits die ebenfalls im UG fixierten Möglichkeiten für qualitative Zugangsbedingungen für Master- und Doktoratstudien nutzen: An der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien wurden in den Masterstudien Wirtschaftsrecht, Wirtschaftspädagogik, Finanzwirtschaft und Volkswirtschaft fachspezifische Voraussetzungen definiert, die die Studenten erstmals erfüllen müssen. Zudem wurden für diese Studien Eingangsphasen gestaltet, die auch der Orientierung dienen sollen. "Wir hoffen dabei auch auf eine Selbstselektion der Studenten", sagte Senatsvorsitzende Edeltraud Hanappi-Egger. Noch nicht so weit ist man an der Uni Wien. Dort beginnen in diesem Studienjahr erst einmal die Diskussionen um die Eingangsphase auf Bachelor-Niveau, die Zugangsbedingungen auf Master-Level seien ein Folgethema und würden frühestens im kommenden Studienjahr wirksam, sagte eine Sprecherin der Uni Wien.

Nur mehr dreijährige Doktoratstudien

Mit dem neuen Studienjahr können keine viersemestrigen Doktoratstudien mehr nach dem alten Studienplan inskribiert werden. Die neuen, stärker forschungsorientierten Doktorate dauern entsprechend der Europäischen Studienarchitektur mindestens sechs Semester, für die inhaltliche Ausgestaltung sind die jeweiligen Unis zuständig. Die Übergangsfrist, innerhalb derer Doktorate nach dem alten Studienplan fertiggestellt werden müssen, läuft noch bis 2017.

Nach den Senatswahlen an den österreichischen Unis im heurigen Jahr stehen 2010 gleich wieder Wahlen an: Neu gewählt werden müssen laut der UG-Novelle im kommenden Studienjahr alle am 1. Jänner 2010 bestehenden Senate, die Funktionsperiode der "alten" Senate endet mit 30. September 2010. Übergangsregelungen gibt es demnach keine, wie auch das Wissenschaftsministerium gegenüber der APA bestätigte. Den Wahlen entkommen demnach auch nicht jene Unis, die erst jetzt im Herbst und Winter neue Senate einsetzen.

Senate müssen neu gewählt werden

Für die Neuwahl der Senate gilt die in der UG-Novelle fixierte neue Zusammensetzung: Statt bisher zwölf bis 24 Mitglieder sollen Senate künftig 18 oder 26 Mitglieder haben. Die derzeitige Mehrheit der Professoren (50 Prozent der Mitglieder plus ein weiteres Mitglied) fällt, sie haben künftig nur die Hälfte der Mitglieder. Dafür erhalten die Vertreter des akademischen Mittelbaus (z.B. Assistenten) gleich viele Mitglieder wie Studenten.

Im Zuge der Wahl wird dann auch die in der UG-Novelle fixierte Maßnahme zur Erhöhung des Frauenanteils in leitenden Funktionen zum Tragen kommen: Es ist eine 40-Prozent-Frauenquote auf dem Wahlvorschlag jeder wahlwerbenden Gruppe einzuhalten. Die Quote gilt ab dem 1. Oktober zudem für alle weiteren Uni-Gremien, also auch das Rektorat und die Uni-Räte, allerdings wird in bestehende Gremien nicht eingegriffen.

Fachhochschulen erhalten mehr Geld

Zufrieden können die Fachhochschulen ins neue Studienjahr gehen: Erstmals seit ihrem Bestehen wird die Bundesförderung erhöht, diese steigt um durchschnittlich 13,7 Prozent. Die FH werden vom Bund pro Studienplatz gefördert. Diese je nach Fachrichtung unterschiedlich hohen Zuwendungen wurden seit 1994 nicht valorisiert, was von den FH-Erhaltern seit Jahren kritisiert wurde. Nun erhalten technische Studiengänge 7.940 Euro pro Studienplatz und Jahr (bisher 6.904), technisch-wirtschaftliche Studiengänge 6.990 Euro (bisher 6.105), touristische Studiengänge 6.580 Euro (bisher 5.887) und wirtschaftliche Studiengänge 6.510 Euro (bisher 5.814).

Nur wenige, besonders begabte Studenten werden von einer neuen Regelung im UG profitieren können, die scherzhaft als "Genie-Paragraf" bezeichnet wurde: Demnach kann man gleich nach dem Bachelor-Studium ein PhD- oder Doktoratsstudium anschließen.

Allgemein schließen die Unis für die Studierenden heuer ihre Inskriptionsschalter zwischen dem 30. September (Medizin-Uni Wien) und dem 31. Oktober (Vetmed-Uni Wien, Medizin-Uni Graz, Uni Salzburg). An der WU Wien endet die reguläre Inskriptionsfrist bereits am 9. Oktober (2008/09: 24.10.). An allen Unis gibt es aber die Möglichkeit zur Inskription in der Nachfrist bis Ende November. Wer Studiengebühren zahlt, muss allerdings in der Nachfrist um zehn Prozent mehr zahlen. (APA)