Wien - Arbeiterkammer (AK)-Präsident Herbert Tumpel versteht die Welt nicht mehr. Während sich Österreich in der schwierigsten Krise seit den 1930er Jahren befindet und der Staat Banken und Unternehmen finanziell unter die Arme greifen muss, schütten die heimischen Unternehmen Gewinne an ihre Aktionäre und Eigentümer aus, statt zu investieren und die Mittel im Betrieb zu lassen, kritisierte er heute, Donnerstag, vor Journalisten. Laut Tumpel ist das "absolut unverständlich". Aktionäre seien heuer bedient worden, als befinde man sich in einer Phase der Hochkonjunktur.

Weniger als 2008, mehr als 2007

Bis auf RHI, Wienerberger und Zumtobel haben heuer alle 20 ATX-Unternehmen von den Konzernüberschüssen des Jahres 2008 Dividenden ausgeschüttet - insgesamt 2,2 Mrd. Euro, ergab eine aktuelle Analyse der AK. Das ist zwar um rund 10 Prozent weniger als 2008, allerdings um knapp 10 Prozent mehr als 2007. Laut AK würde das heurige Ausschüttungsvolumen für vier "gute" Lohnrunden für die insgesamt 410.000 Beschäftigten in ATX-Unternehmen reichen. Auch die Ausschüttungsquote des Jahresüberschusses der betreffenden 17 Unternehmen sei von 29,9 Prozent im vergangenen Jahr auf 33,3 Prozent gestiegen. 2008 haben die 17 untersuchten börsennotierten Firmen Gewinne in der Höhe von 6,6 Mrd. Euro eingefahren.

Eine weitere AK-Analyse großer und mittlerer Unternehmen (AGs, GmbHs) zeigt ein ähnliches Bild: 246 "bedeutende" heimische Betriebe - mit Ausnahme von Banken und Versicherungen - haben im Vorjahr zusammen einen Jahresüberschuss von 5,3 Mrd. Euro erwirtschaftet. 194 davon schütteten Dividenden in der Höhe von zusammen 4,1 Mrd. Euro an Aktionäre, Eigentümer bzw. Muttergesellschaften aus. Daraus ergibt sich eine Ausschüttungsquote des Jahresüberschusses von 77,7 Prozent, nach 77,8 im Jahr 2007 und 72 Prozent im Jahr 2006. Einen Verlust haben im Vorjahr 68 Unternehmen hinnehmen müssen. 2007 waren es "nur" 51, 2006 hingegen 77.

Metall-Branche mit höchster Ausschüttung

Nach Angaben der AK kosten die Gewinnausschüttungen der 246 untersuchten Unternehmen so viel wie 80.000 Arbeitsplätze. Insgesamt beschäftigen diese Betriebe zusammen 164.000 Personen, 45.000 davon allein in der Metall-Branche, die mit 88 Prozent laut AK-Berechnungen die höchste Ausschüttungsquote hat.

Zum morgigen Start der Metaller-Herbstlohnrunde äußerte sich der AK-Präsident wortkarg: "Es wird nach fairen und vernünftigen Bedingungen laufen." (APA)