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Antivirensoftware ist ein krisensicheres Geschäft, weiß Eugene Kaspersky.

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Für Eugene Kaspersky gibt es fünf Dinge, die für Menschen lebenswichtig sind: Sauerstoff, Wasser, Essen, Unterhaltung und Sicherheit. "Und unser Bereich ist das fünfte Element, für das auch in Krisenzeiten Geld ausgegeben wird", sagt der CEO des russischen Antivirensoftwareherstellers Kasperskylab. Und offenbar nicht so wenig: "Wenn es auch keine 80 Prozent mehr sind wie in Jahren zuvor, wachsen wir immer noch zweistellig", sagt er im Standard- Gespräch. "Bis zu 500 Millionen Dollar" Umsatz will er heuer mit seinen 1500 Mitarbeitern (800 davon in Russland) erzielen.

Gute Tat statt Geld

Geld sei aber schon lange nicht mehr sein Motiv als Unternehmer, erzählt er, er wolle mit seiner Arbeit auch etwas "Großes" und "Gutes" - nämlich Kriminelle bekämpfen, die ihren Tatort in die Internetwelt verlegt hätten und von dort jährlich mit ihrer Malware finanziellen Schaden von bestimmt 100 Milliarden Dollar anrichteten.

Da sich Cybergangster, aber auch die Computerprofis unter den Terroristen, in den riesigen weltweiten Netzen beinahe unauffindbar verstecken könnten, bedürfe es aber weit mehr als Antivirenschutzprogramme, um ihre Ausbreitung einzudämmen. "Was wir brauchen, ist eine Internet-Regierung, sind internationale Sicherheitsstandards, ein Internet-Ausweis und eine Cyberpolizei, um die 'bad guys' besser verfolgen zu können", ist der Virenjäger überzeugt. Angesiedelt sein sollte die Webpolizei in einem neutralen Land wie etwa der Schweiz.

Internetausweis

Ob mit Mitteln wie einem Internetausweis die Datensammellust von Regierungen nicht noch mehr Nachschub bekäme und der Staat weiter in die Privatsphäre seiner Bürger eindringe? "Wenn man eine Kreditkarte benutzt, hat man auch keine Privacy mehr. Abgesehen davon hat kaum eine Regierung die Ressourcen, jeden zu verfolgen. Sie sollte aber diejenigen verfolgen können, die verdächtig sind", meint Kaspersky

Dass von den unzähligen Schadprogrammen auch etliche aus Labors von Geheimdiensten stammen, glaubt Kaspersky ("auch wenn es dafür keine eindeutigen Beweise gibt") ebenso fest wie, dass es ("wenn es jemand möchte") technisch längst möglich sei, die Netzinfrastruktur eines Landes komplett lahmzulegen.

Naive werden nicht weniger

Trotz Virenschutzprogrammen und Aufklärungsarbeit: Die Unvorsichtigen und Naiven unter den Internetnutzern würden nicht weniger, sagt er. Besonders im "Social Web" öffneten viele Teilnehmer unbedacht Mails und Anhänge, in der blauäugigen Annahme, dass es in einem "Freundesnetz" ja keine Bösewichte geben könne. (Karin Tzschentke aus München/ DER STANDARD Printausgabe, 25. September 2009)