Salzburg - Anlässlich des "Equal Pay Day" wurden am Freitag in Salzburg die Ergebnisse einer Straßenbefragung von rund 800 erwerbstätigen Frauen und Männern zum Thema Einkommensgerechtigkeit präsentiert. Damit sollte ein Schlaglicht auf das Bewusstsein der Salzburger Bevölkerung zum Thema Einkommensgerechtigkeit geworfen werden. Als ein überraschendes Ergebnis bezeichneten die Projektinitiatorinnen der Frauenbüros von AK, AMS, Stadt und Land, dass Teilzeitarbeit selten als karrierehemmend empfunden wird. Die Projektinitiatorinnen wollen im Jahr 2010 in Vollzeit beschäftigte, erfolgreiche Frauen sowie Männer in Karenz zwecks Vorbildwirkung vor den Vorhang holen.

Equal Pay Day in Salzburg am 19. September

Bereits seit 30 Jahren pochen Frauen auf ihr Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit, doch die Lohnschere zwischen Männern und Frauen geht weiter auseinander, kritisierte Astrid Lamprechter von der "Stabsstelle für Frauenfragen und Chancengleichheit des Landes Salzburg". In Salzburg, wo der Einkommensunterschied mit 28,4 Prozent über dem Bundesländer-Schnitt liegt, arbeiten Frauen allein schon wegen der hohen, karrierehemmenden Teilzeitbeschäftigungsquote von 43,5 Prozent 104 Tage und damit um acht Tage länger "unbezahlt", rechnete Liane Pluntz, Frauenreferentin der Arbeiterkammer, vor. Der Salzburger "Equal Pay Day" fällt auf den 19. September, österreichweit auf den 27. September.

Teilzeit karrierehemmend?!

Doch bei der im Sommer durchgeführten Befragung empfanden laut Dagmar Stranzinger, Frauenbeauftragte der Stadt Salzburg, nur wenige die Teilzeitarbeit als karrierehemmend. "In der Praxis ist Teilzeitarbeit aber einer der Hauptgründe, warum ein beruflicher Aufstieg nicht gelingt." Frauen würden dazu neigen, die schlechte Einkommenssituation auf sich selber zurückzuführen. "Sie suchen häufig die Schuld bei sich, in dem sie zum Beispiel meinen, es nicht geschafft zu haben, neben den Kindern eine Karriere aufzubauen."

Problembewusstsein im Alter

Aufschlussreich in dieser Hinsicht auch die Studienerkenntnis, dass die Mehrheit keine geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede erkennt. Immerhin 65 Prozent der befragten Frauen und 75 Prozent der Männer waren der Meinung, dass das Geschlecht keinen Einfluss auf die Höhe des Einkommens hat. Allerdings zeigte sich auch, dass mit dem Alter der Frauen die Wahrnehmung von Geschlecht als Diskriminierungsgrund stieg. Während nur 21 Prozent der 15 bis 19-Jährigen Frauen glaubten, dass das Geschlecht einen Einfluss auf die Höhe des Einkommens hat, waren es unter den 30 bis 39-Jähren bereits 31 Prozent und bei den 40 bis 49 Jährigen schon 38 Prozent. "Die diskriminierenden Erfahrungen, die Frauen im Laufe ihres Erwerbslebens machen, bedingen die mit dem Alter erhöhte Wahrnehmung. Junge Frauen hingegen haben oft die Illusion, die Berufswelt stünde ihnen ohne Barrieren offen", so die Projektverantwortlichen.

 

Vorbilder jenseits der Klischees

Für eine Einkommensgerechtigkeit wurde ein Bündel an Maßnahmen gefordert. Neben Lohntransparenz in den Betrieben, mehr Mädchen in technischen Lehrberufen, mehr Nachmittagsbetreuungsmöglichkeiten für Schulkinder, Recht auf Elternteilzeit für alle und ein verbessertes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln gerade aus den südlichen Salzburger Bezirken in die Stadt setzen die Projektinitiatorinnen auf Vorbilder "in nicht geschlechterorientierten Lebensmodellen".

"Um neue Wege zu gehen, brauchen wir auch mehr Toleranz für Väter, die in Karenz gehen", sagte Stranzinger. Mädchen sollten sehen, dass Frauen in technischen Berufen Erfolg haben. Dann werde auch eine Nachfolgewirkung erzielt. "Es dauert aber mindestens noch eine Generation, bis Frauen den gleichen Lohn erhalten", so Alexandra Schmidt vom Frauenbüro der Stadt Salzburg. Hoffnungsträger für mehr Gerechtigkeit ist laut Umfrageergebnis das männliche Geschlecht: Hier verhält es sich genau umgedreht als bei den Frauen - denn je jünger, desto höher das Bewusstsein für Gehälterdiskriminierung aufgrund des Geschlechts. (APA/red)