Wien/Teheran - Der Iran hat gegenüber der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO/IAEA) den Bau einer weiteren Urananreicherungsanlage bekanntgegeben, wie am Freitag am IAEO-Sitz in Wien öffentlich wurde. Bisher war nur eine Anreicherungsanlage in Natanz bekannt. Um Kernenergie erzeugen zu können, muss eine ausreichende Menge des seltenen Isotops Uran-235 angereichert werden, das - je nach Anreicherungsgrad - für Atomkraftwerke oder Atombomben eingesetzt werden kann.

Für die sehr arbeitsintensive Gewinnung dieses Materials werden in der Regel Gaszentrifugen verwendet, es gibt auch verschiedene andere Verfahren, etwa mit Lasern. Für den Betrieb eines Rektors muss das Material auf etwa drei, für eine Kernwaffe aber auf rund 90 Prozent angereichert werden. Der Iran hat gegenüber der IAEO versichert, dass in der neuen Anlage - deren Lage und Baufortschritt noch unbekannt sind - das Uran bloß auf fünf Prozent angereichert werden soll.

Bei Uran-235 handelt es sich um eine Spielart des radioaktiven Elements Uran, das in Natururan (Uran-238) nur zu 0,7 Prozent vorkommt (neben dem nur in Spuren vorhandenen Uran-234). Nur Uran-235 kann im Reaktor oder in einer Atombombe eine sich selbst erhaltende Kernspaltungs-Kettenreaktion eingehen. Zum Bau einer Atombombe benötigt man etwas mehr als ein Dutzend Kilogramm Uran-235.

Da sich das seltene Uran-235 nicht chemisch vom häufigen Uran-238 trennen lässt, braucht man komplizierte mechanische Methoden, um es in konzentrierter Form zu gewinnen. Dabei nutzt man das unterschiedliche Gewicht der Atome der beiden Uran-Isotope aus.

Yellow Cake

Zunächst muss das in Form von "yellow cake" vorliegende Uranerz (U3O6) allerdings durch chemische Umwandlungsprozesse gereinigt und anschließend in die gasförmige Verbindung Uranhexafluorid (UF6) überführt werden (Konversion). Der Iran betreibt eine derartige Konversionsanlage in Isfahan.

Zur Uran-235-Anreicherung wird Uranhexafluorid in einer fast reibungsfrei gelagerten Zentrifuge mit sehr hoher Umdrehungszahl geschleudert. Die Zentrifugalkräfte sorgen dafür, dass sich das schwerere Uran-238-Hexafluorid an der Außenwand anreichert und die Konzentration des leichteren Uran-235-Hexafluorid in der Mitte ansteigt.

Zu einer hohen Anreicherung von Uran müssen Tausende Zentrifugen (Kaskaden) hintereinander geschaltet werden. In Natanz sind derzeit laut einem IAEO-Bericht vom Mai rund 5.000 Zentrifugen im Einsatz. Diese Zahl hat sich nach Angaben von Diplomaten von Ende August seit damals nicht verändert. (APA)