Und aus. Jetzt leben wir auf Pump. Diesen Freitag war der heurige "Earth Overshoot Day", der "Welterschöpfungstag". Sprich: Rein rechnerisch waren die Ressourcen einer "nachhaltigen Welt" an diesem Tag verbraucht. Der ökologische Fußabdruck, den die Menschheit mit ihrem Lebensstil hinterlässt, passt längst nicht mehr auf diese Erde.

Ein guter Anlass, sich noch einmal an die große Wiener Aufregung dieser Woche zu erinnern: Denn neben dem "Welterschöpfungstag" - der nicht sehr viele in Aufregung versetzt - gab es am Dienstag bereits den "autofreien Tag". Und aus diesem Anlass hatten ein paar Umwelt- und Radorganisationen doch glatt den Ring gesperrt. Um auf der Fahrbahn zu feiern, die Stadt ohne Gebrumm zu genießen und aufzuzeigen, dass es in der Stadt ökologisch vernünftigere Fortbewegungsarten gibt als das Auto.

ÖVP und FPÖ, die sich - wenn's grad passt - gerne das grüne Mäntelchen umhängen, gingen in den Saft. Und die Wiener SPÖ? Stellte sich heldenmutig - gegen die Umweltschützer. Wollte damit rein gar nichts zu tun haben, und Verkehrsstadtrat Rudi Schicker prangerte die "willkürliche Errichtung von Straßensperren" an; da würden "künstlich Hindernisse" erzeugt, was er "absolut nicht" schätze.

Wohlgemerkt: Das waren acht Stunden, die der Ring gesperrt war. Also eine ähnliche Dimension wie ein Aufmarsch zum 1. Mai. Nun gut, der ist ein Feiertag und entsprechend verkehrsberuhigt.

Aber wie war das nochmal im verwichenen Jahr mit der großen Fanzone während der Fußballeuropameisterschaft? Da war der Ring gleich einen ganzen Monat lang für Autofahrer Sperrzone. Und im Gegensatz zur autofreien Aktion hatte die Stadtregierung damals auch gleich großzügig die Ring-Bim eingestellt. Auch so ein "künstliches Hindernis" im Stadtverkehr - aber dieses hatte die SPÖ mit Leidenschaft verteidigt.

Der ÖAMTC hatte nach dem "autofreien Tag" vorgerechnet, dass diese Ringsperre eine CO2-Mehrbelastung von 7,5 Tonnen gebracht habe. Rechnet man das auf die EURO-Fanzone um, käme man (sehr großzügig gerechnet) auf einen zusätzlichen CO2-Ausstoß von mindestens 450 Tonnen.

Aber so einfach geht das nicht. Das wäre ja polemisch. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27. September 2009)