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Die Nachrüstung mit Fotovoltaikmodulen wird in Österreich mit maximal 60 Prozent gefördert. Technische Möglichkeiten gibt es zu viele

Collage: Friesenbichler/Fotos: AP, APA

35 Millionen Euro pro Jahr will Österreich in Zukunft in den Neubau privater Fotovoltaikanlagen stecken. Um an die Fördermittel zu kommen, sollte man sich jedoch beeilen. Sie sind schneller weg, als man denkt - Von Fabian Wallmüller

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Lange Zeit war Österreich in Sachen Solarstrom an der Spitze. Gegenwärtig läuft man Gefahr, zum europäischen Schlusslicht zu werden. "In Bayern werden bereits zwei Prozent des Gesamtstroms mit Fotovoltaik erzeugt", erklärt Hans Kronberger, Präsident von Photovoltaik Austria, "bei uns sind es lediglich vier Promille. Wir verpassen den Anschluss." Und tatsächlich: Weniger Energie aus der Sonne als hierzulande holt man nur noch in Rumänien, Estland und Litauen.

Falsche Förderpolitik ist für Situation verantwortlich

Verantwortlich für diese Situation ist laut Kronberger die österreichische Förderpolitik. Zur Erläuterung: Neuerrichtete private Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von bis zu fünf Kilowatt - das entspricht dem jährlichen Energieertrag aus rund 40 Quadratmeter Solarzellen - werden vom Bund mit einem einmaligen Zuschuss von bis zu 60 Prozent der Investitionskosten gefördert. Der Haken daran: Die Förderung war bisher mit 18 Millionen Euro Fördervolumen gedeckelt. Wer zu spät kam, schaute durch die Finger. "Das war heuer bereits wenige Stunden nach dem Öffnen des Fördertopfs der Fall", erzählt Erwin Kaltenegger, Architekt und Experte für solares Bauen im steirischen Passail.

Deutsches Modell belohnt Solarstrom aus privaten Anlagen

Vergangenen Mittwoch wurde im Nationalrat die Anhebung der Fördermittel für kommendes Jahr beschlossen. Laut Experten verspricht die Verdoppelung auf 35 Millionen Euro nur wenig Besserung. Kronberger und Kaltenegger fordern daher eine Anpassung an das deutsche Fördermodell. Dieses belohnt Solarstrom aus privaten Anlagen mit einem erhöhten Einspeisetarif - und zwar ganz ohne Deckelung. Das Modell wurde bereits von mehr als 40 europäischen Ländern übernommen.

Herstellungsenergie spielt sich in zwei bis drei Jahren ein

Stellt sich die Frage: Warum ist Österreich bloß so zaghaft? "Bei uns wird gerne argumentiert, dass die Energie zur Herstellung der Solarzellen zu hoch ist", ärgert sich Kronberger, "dabei spielt eine Fotovoltaikanlage ihre Herstellungsenergie in zwei bis drei Jahren wieder herein." Auch aus ökologischer Sicht hat er keine Bedenken: "Solarzellen sind zu hundert Prozent recyclebar."

Bundesförderung und Länderförderung

Wer bei der Bundesförderung von Fotovoltaik zu spät kommt, kann sich die nötige Unterstützung auch bei den Ländern holen. Niederösterreich etwa gewährt einen einmaligen Zuschuss von bis zu 50 Prozent der getätigten Investition, in der Steiermark kann man außerdem Ökopunkte sammeln. In beiden Fällen gilt, dass die Zuschüsse von Bund und Ländern in Summe nicht mehr als 60 Prozent der investierten Kosten betragen.

Amortisation in sieben Jahren

Und ab wann rechnet sich Fotovoltaik? "Bei einem Preis von 4500 Euro für eine schlüsselfertige Anlage von einem Kilowatt hat man die Kosten im Falle einer Förderung nach sieben bis acht Jahren wieder herinnen", rechnet Kronberger vor. Nachsatz: "Ohne Förderung kommt man auf bis zu zwanzig Jahre." Sollten die Stromkosten allerdings weiterhin steigen, könnte sich die Anlage schon früher auszahlen, prognostiziert der Experte. "Für 2015 erwarten wir, dass Solarstrom gleich viel kosten wird wie Normalstrom."

Billige Solarmodule aus China von schlechter Qualität

Voraussetzung dafür ist, dass die Kosten für Fotovoltaik so wie bisher weiter fallen - was zu erwarten ist. "Solarmodule aus China sind bereits für 1500 Euro zu haben", weiß Architekt Kaltenegger, warnt jedoch vor mangelnder Qualität.

Solarzellen direkt für Dachfolien

Neben den klassischen, schräg montierten Solarmodulen bietet der europäische Markt eine Vielzahl an interessanten Produkten an. Neu sind etwa Solarzellen, die direkt auf Dachfolien aufgebracht werden. Flachdächer jeder Größe können so zur Stromproduktion genutzt werden, teure Unterkonstruktionen entfallen.

Solarzellen auf Fensterglas sind sogar Sonnenschutz

Vielversprechend sind auch je-ne Dünnschichtmodule, die auf beliebige Trägermaterialien aufgedampft werden, informiert Gerhard Korpitsch von KW Solartechnik: "Dünnschichtzellen brauchen für den gleichen Ertrag zwar mehr Fläche, sind wegen ihres geringen Materialverbrauchs dafür auch erheblich preiswerter." Der absolute Durchblick: Auf Fensterglas aufgedampft sind die Solarzellen sogar als Sonnenschutz einsetzbar.( Fabian Wallmüller, DER STANDARD Printausgabe 26/27.9.2009)