Inskriptionen für das Doktorat waren mit Einführung der Studiengebühren eingebrochen. Nun gibts einen Aufschwung.

Foto: Der Standard

Bild nicht mehr verfügbar.

Grafik: APA

Wien - Mit Beginn des neuen Studienjahrs 2009/10 können kurze Doktoratsstudien nicht mehr inskribiert werden. Der neuen europäischen Studienarchitektur entsprechend muss ein Doktorat nunmehr mindestens sechs statt bisher vier Semester dauern. Die letzte Chance, sich noch für ein "kurzes" Doktorat anzumelden, hat im vergangenen Sommersemester zu einem massiven Zuwachs bei der Zahl der Doktoratsstudenten geführt: Sie stieg von rund 21.700 (Wintersemester 2008/09) auf 29.400.

Viele Studenten hätten die Chance genutzt, um ein Doktorat nach dem alten Studienplan zu inskribieren, interpretiert man im Wissenschaftsministerium diesen Anstieg. Diese "alten" Doktoratsstudien müssen bis spätestens 2017 abgeschlossen werden. Die Unis haben den Ansturm durchaus selbst mitverursacht und das Gros der Studien erst im letzten Augenblick auf die neue Form umgestellt: Laut Hochschulbericht wurden im Wintersemester 2008/09 erst 27 Doktoratsstudien mit einer mindestens dreijährigen Ausbildungsdauer angeboten, 40 waren noch zweijährig.

Die Zahl der Inskriptionen für Doktoratstudien war mit der Einführung der Studiengebühren deutlich eingebrochen - von rund 25.100 im Wintersemester 2000 auf rund 15.300 im Jahr darauf. Erst 2007 wurde die Marke von 20.000 wieder übertroffen.

Inhaltliche Vorgaben des Gesetzgebers über die Ausgestaltung des neuen Doktorats gibt es keine, dafür sind die einzelnen Universitäten zuständig. An der Uni Wien wurden beispielsweise acht neue Rahmencurricula mit gesamtuniversitären Standards erarbeitet, etwa für die Bereiche "Naturwissenschaften", "Sozialwissenschaften" und "Rechtswissenschaften". Im Zentrum des forschungsorientierten Doktoratstudiums steht die Dissertationsvereinbarung, in der Betreuer, Doktorand und Uni den individuellen Studienverlauf festlegen. Doktoranden können im Rahmen des Studiums außerdem Zusatzqualifikationen in Bereichen wie Projekt- oder Wissensmanagement oder das Gestalten von Projektanträgen erwerben.

In der dritten Stufe der Bologna-Studienarchitektur (nach Bachelor und Master) werden Doktoranden vor allem auch als Nachwuchsforscher gesehen. Als wichtige Komponenten der neuen Doktoratsausbildung gelten Teambetreuung und Anstellungsverhältnisse für Doktoranden. Als Alternativen zur klassischen Einzelbetreuung entstehen an den Unis neben einer stärkeren Strukturierung des Studiums mit enger Einbindung in die Uni, intensiver Betreuung und angemessener Finanzierung der Doktoranden auch immer mehr Doktoratskollegs. Solche Programme richten sich vor allem an besonders qualifizierte Studenten, sie müssen sich meist um ausgeschriebene Plätze bewerben. (APA)