Wien - Die Wirtschaftskrise trifft die heimische Textilindustrie massiv. Im 1. Halbjahr 2009 ist der Umsatz um 27 Prozent auf 1,020 Mrd. Euro eingebrochen. Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich im Vergleich zum 1. Halbjahr 2008 um knapp 13 Prozent auf 12.200 Personen. Viele Fachkräfte werden derzeit mit Kurzarbeit im Betrieb gehalten, um für die Zeit nach der Krise gerüstet zu sein, meinte der Präsident des Fachverbandes der Textilindustrie, Reinhard Backhausen, am Montag bei einem Pressegespräch. Trotz allem üben sich die Textiler in Optimismus und erwarten für 2010 eine "deutliche Konjunkturbelebung".

Die österreichische Textilindustrie ist stark exportorientiert. Über 80 Prozent der Waren werden exportiert - wichtigster Markt ist mit 77 Prozent die EU, innerhalb der EU ist es Deutschland. Vor diesem Hintergrund fällt der Einbruch der Exporte im 1. Halbjahr besonders ins Gewicht: In den ersten sechs Monaten des Jahres sanken die Ausfuhren um 20 Prozent auf 937 Mio. Euro. Zuwächse gab es lediglich in der Slowakei (+38 Prozent), in Indien (+31 Prozent), Brasilien (+17 Prozent), Mali (+68 Prozent) und in Senegal (+99 Prozent). Die Textilimporte gingen im 1. Halbjahr um 12 Prozent auf 1,286 Mrd. Euro zurück.

Umsatzrückgang bei technischen Textilien

Selbst technische Textilien, die bereits knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen und als Zukunftshoffnung gelten, verzeichneten einen Umsatzrückgang von 32 Prozent auf 463 Mio. Euro. Maßgeblich dafür verantwortlich ist die desaströse Lage in der Autoindustrie, so Backhausen. Aufträge für die Innenausstattung von Autos blieben aus. Der in die Insolvenz geschlitterte niederösterreichische Autozulieferer Eybl International beispielsweise sei 2007 noch wichtigster Kunde der Branche gewesen. Im Bereich der Medizintextilien blieb die Nachfrage laut Backhausen stabil.

Auch bei den Investitionen steigen die Unternehmen auf die Bremse: Laut derzeitiger Prognose investieren die heimischen Textiler heuer 33 Mio. Euro, um 22 Prozent weniger als 2008. "Die Tendenz für das nächste Jahr ist wieder steigend", sagte Backhausen.

Ab 2010 kooperiert die Textilindustrie mit der Elektro- und Elektronikindustrie, um "beidseitige Kompetenzen" für künftige Forschungsprojekte zu nutzen, kündigten Backhausen und der Obmann des Fachverbands der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI), Albert Hochleitner, heute an. Unter dem Stichwort "Smart Textiles" sollen "Produktvisionen" wie ein in Bekleidung eingebauter Airbag zum Verletzungsschutz, Sensorbekleidung zur Lebensrettung oder Wohntextilien, die ihre Farbe verändern, realisiert werden.

Derzeit hat der Fachverband der Textilindustrie 137 Mitglieder. Ab Juli 2010 kommt es zu einer Neustrukturierung und die Verbände Textil, Bekleidung, Schuhe und Leder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) werden zu einem Verband zusammengeschlossen, dem Backhausen vorstehen wird. Durch die Fusion wird der neue Verband dann 569 Mitgliedsbetriebe haben, die etwa 26.650 Personen beschäftigen und in Summe 4,421 Mrd. Euro umsetzen. (APA)