E-Mail-Paar: Steffi Krautz, F.J. Strohmeier.

Foto: Manninger

"Ich möchte bitte mein Abonnement kündigen. Geht das auf diesem Wege? Freundliche Grüße, E. Rothner!" So absolut unromantisch beginnt der E-Mail-Liebesroman Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer. Nach den Wiener Kammerspielen zeigt nun auch das Grazer Schauspielhaus eine Bühnenfassung (von Glattauer und Ulrike Zemme) des Erfolgsromans über die Beziehung zwischen Emmi und Leo, die sich in die Sätze des anderen verlieben, ohne sich zu sehen.

Wer das Buch gelesen hat, hatte zwar vielleicht nicht unbedingt die Schauspieler Steffi Krautz und Franz Josef Strohmeier vor dem inneren Auge, doch die beiden erobern sich das virtuelle Paar mit viel Witz und Liebe sehr schnell in der Inszenierung von Christian Schütz.

In Gewändern, die eigentlich an Nachthemd und Pyjama erinnern, gleiten sie flott durch die Schlüsselszenen des Romans, unterstützt nur von ein paar multifunktionalen Holzkuben, die Badewanne, Schreibtisch oder Bett sein dürfen.

Als Übertitel laufen einzelne Stücke aus der E-Mail-Korrespondenz über ihren Köpfen ab, sodass das Publikum jeweils entweder mit der empörten Emmi oder dem amüsierten Leo mitlesen kann und das Tippen des anderen dabei hört.

Ein bisschen schade ist es, dass in dem kurzweiligen Abend doch einige wichtige Details aus dem Leben der verheirateten Stiefmutter und des einsamen Professors auf der Strecke bleiben. Wo Glattauer im Roman die Liebespflänzchen langsam zwischen den Zeilen sprießen lässt, raubt es einem auf der Bühne fast den Atem. Die einander völlig Fremden, die sich nur durch eine falsch geschrieben Adresse im Internet quasi begegnen, werden schon nach Minuten freundschaftlich und wenig später intim miteinander.

Trotzdem lohnt es sich, Krautz und Strohmeier in ihrem Spiel mit Distanz, Nähe und Fantasie zu besuchen. Man sollte allerdings das Buch vorher lesen, denn es lebt auch davon, dass man nicht weiß, ob sich die beiden jemals treffen. (cms, DER STANDARD/Printausgabe 29.9.2009)