Im Zoom werden die Kinder zu Stubenfliegen, zum Supergirl", zu Piloten, Lotsen - oder sie üben die Technik des Einwinkens.

Foto: Eizinger

Wien - Fliegen ist Technik, ist Physik - aber Fliegen ist auch Träumen, ist Fantasieren. Das Thema Fliegen geht bei Kindern ab wie eine Rakete - aber damit eine Ausstellung zu bestreiten "ist schwierig", wie Kurator Thomas Marschall berichtet. "Das Problem war diesmal die Auswahl", ergänzt Elisabeth Menasse-Wiesbauer, Direktorin des Zoom-Kindermuseums.

Dementsprechend groß ist die Bandbreite der neuen Zoom-Ausstellung Es fliegt, es fliegt: Da können die Besucher einen Ballon mit heißer Luft steigen lassen, sie können im "Raketenstuhl" das Schubprinzip am eigenen Leib erfahren - oder einen echten Flugsimulator bedienen. Drüben im "Tower" wird beobachtet, wie sich die Wolkenformationen auf den Bildern des Wettersatelliten entwickeln - und die Fluglotsen geben die Daten dem Piloten durch.

Physikalische Grundlagen werden spielerisch vermittelt, wie auch die Faszination der Bionik: Es wird gezeigt, wie sich die Luftfahrt-pioniere an Vorbildern aus der Natur orientierten. Dass etwa Leonardo da Vinci von fliegenden Fischen, Fledermäusen und Libellen inspiriert wurde oder Igo Etrich sein Fluggerät dem Zanonia-Samen nachempfunden hatte.

Sogar solch simple Dinge wie Papierflieger werden im Zoom veredelt: Die Kinder können unter verschiedenen Modellen mit speziellen Eigenschaften auswählen - und erfahren dann auf der "Startbahn", warum die Fluggeräte besonders hoch, weit oder spektakulär fliegen - oder abstürzen.

Manchmal sind es auch nur ganz simple Bilder, die faszinierende, aber vergessene Geschichten berichten, wie etwa das Foto des Briten Larry Walters, der in den 60erJahren Helium-Ballone an seinen Gartensessel band und damit auf 4900 Meter Höhe flog. Als er mit Hilfe einer Schrotflinte schließlich zur Landung ansetzte, versetzte er eine Flugzone in Aufregung und landete schließlich auf einer Stromleitung, was eine ganze Kleinstadt lahmlegte. Walters war damals der Prozess gemacht worden. Aber er konnte nachweisen, dass ein Gartensessel kein Fluggerät ist - und wurde freigesprochen.

Die Kinder werden im Zoom nicht nur im Fliegenkostüm bis zur Decke abheben - auch die Ausstellungsarchitektur selbst eröffnet mit einem Wolkenteppich und Spiegeln "ein weites Himmelsstück", wie Marie-Therese Harnoncourt von den "next ENTERprise-architects" erläutert. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 30.09.2009)