Die über 330 Tonnen schwere Falcon 9 soll bald ihren Jungfernflug absolvieren.

Foto: SpaceX

Hawthorne - Das private Unternehmen Space Exploration Technologies (SpaceX) mit Sitz im kalifornischen Hawthorne steht kurz vor dem Jungfernflug der Rakete Falcon 9. Der Flugkörper soll das Raumfahrzeug "Dragon", das unter anderem für den Transport von Nutzlast zur Internationalen Raumstation (ISS) entwickelt wurde, in den Orbit befördern. Bei Bedarf kann die Dragon-Kapsel auch Astronauten aufnehmen, berichtet Technology Review.

Entwickelt wurde das Duo aus Rakete und Raumkapsel im Rahmen des NASA-Programms "Commercial Orbital Transportation Services" (COTS). SpaceX hatte dieses Jahr bereits einen Vertrag über 1,6 Mrd. Dollar an Land gezogen, in dem fixiert wurde, dass das Unternehmen die NASA mit entsprechenden Vehikeln zur Versorgung der ISS versorgen soll. Ein genauer Termin für den Jungfernflug steht zwar noch nicht fest, der Transport der Falcon-9-Rakete und der Dragon-Kapsel zum US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral wurde jedoch für November fixiert.

"In wie weit die Falcon 9 dann wirklich für die Versorgung der ISS herangezogen wird und die Aufträge der NASA erfüllen kann, hängt von zwei Faktoren ab. Einerseits muss die Rakete ihre Zuverlässigkeit noch unter Beweis stellen, andererseits hängt es auch von den Ergebnissen ab, zu denen die Augustine-Kommission kommt, welche die Arbeit der NASA derzeit prüft", sagt Raumfahrt-Spezialist Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

55 Meter lange Rakete

Bei der Falcon 9 handelt es sich um eine schwere Transportrakete. Sie ist rund 55 Meter lang, hat einen Durchmesser von 3,6 Metern und wiegt über 330 Tonnen. Je nachdem, von wo sie startet, soll sie bis zu 10,5 Tonnen ins erdnahe All befördern können. Auf längeren Flügen in höher gelegene Umlaufbahnen kann sie immer noch bis zu 4,7 Tonnen mit sich führen. "Dabei handelt es sich um Werte, die eine typische Trägerrakete erreicht. Die russische Sojus-Rakete bewegt sich auch in einem ähnlichen Bereich", so Schütz. An die mit einem Space-Shuttle beförderbare Nutzlast von rund 20 Tonnen reiche das freilich noch nicht heran.

Der Testflug soll zunächst vor allem dem Sammeln von Daten dienen. Bei SpaceX hofft man, sowohl Informationen über die aerodynamischen Eigenschaften der Rakete als auch über deren Leistungsfähigkeit zu gewinnen und darauf basierend weiteres Feintuning an dem Raumfahrzeug durchführen zu können. Die Falcon 9 ist Teil einer Reihe von Raketenmodellen, die SpaceX derzeit entwickelt und die zukünftig helfen könnten, eine Lücke in der Versorgung der ISS zu schließen.

Die derzeit von der NASA eingesetzten Space-Shuttles sollen im kommenden Jahr außer Dienst gestellt werden und für das nachfolgende NASA-Raumfahrzeug "Ares" wird eine Fertigstellung frühestens 2015 erwartet. Kommerzielle Raumfahrzeuge könnten außerdem helfen, die Kosten von Flügen ins All zu verringern. Neben der NASA betreibt derzeit allerdings noch keine der großen Raumfahrtorganisationen eine Zusammenarbeit mit privaten Raumfahrtunternehmen.

Zwölf Flüge zur ISS

Ursprünglich hatte SpaceX mit der Entwicklung von Raumfahrzeugen für Weltraumtourismus und den Transport wissenschaftlicher und kommerzieller Satelliten begonnen. Im Rahmen dieser Bemühungen hatte das Unternehmen bereits erfolgreich eine Rakete mit der Bezeichnung Falcon 1 getestet. Für den Transport größerer Mengen an Nutzlast wurde freilich eine stärkere Rakete und eine entsprechende Raumkapsel notwendig. Der Jungfernflug der Falcon 9 hat sich bislang immer wieder verzögert.

Trotzdem soll schon im kommenden Jahr der erste von vorerst zwölf mit der NASA vereinbarten Versorgungsflügen zur ISS über die Bühne gehen. Bis zur ersten NASA-Mission müssen sich die SpaceX-Raumfahrzeuge - zusätzlich zum angekündigten Jungfernflug - allerdings in drei Probemissionen beweisen. "Verzögerungen sind bei solchen Unterfangen nichts ungewöhnliches. Raumfahrtprojekte bewegen sich immer im technologischen Grenzbereich, nicht nur bei Tests neuer Systeme", so Schütz abschließend. (red/pte)