Das ÖAI hat mit seiner neuen Direktorin Sabine Ladstätter (40) nicht nur eine kompetente, anerkannte Wissenschafterin und Archäologin von internationalem Ruf sondern erstmals auch eine Frau als Direktorin an der Spitze der traditionsreichen Forschungsinstitution.

Foto: ÖAI

Irene Forstner-Müller (41), seit 2002 stellvertretende Leiterin der Zweigstelle Kairo des ÖAI, kann auf eine beachtliche Laufbahn verweisen und ist als erfahrene Ägyptologin eine anerkannte Kapazität.

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Wien - Mit 1. Oktober bekommt das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) erstmals eine weibliche Spitze: Die Kärntner Archäologin Sabine Ladstätter wird neue Direktorin, Irene Forstner-Müller die neue Zweigstellen- und Grabungsleiterin in Kairo. "Ich freue mich, dass wir mit Sabine Ladstätter und Irene Forstner-Müller zwei Top-Wissenschafterinnen für Top-Positionen gewinnen konnten", so Wissenschaftsminister Johannes Hahn. "Beide verfügen über die notwendige wissenschaftliche Qualifikation und internationale Erfahrung", betonte Hahn in einer Aussendung am Mittwoch. Mit der Bestellung der beiden Wissenschafterinnen würden auch die ressortinternen Frauenförderungsziele weiter umgesetzt.

Klassische Archäologin

Die gebürtige Kärntnerin Ladstätter ist als erste stellvertretende Grabungsleiterin in Ephesos tätig und folgt als ÖAI-Direktorin Johannes Koder, der das Institut seit 2007 interimistisch geleitet hat. Hahn freut sich, dass mit Ladstätter eine "international anerkannte Archäologin" für diese Aufgabe gewonnen werden konnte. Ladstätter hat an den Universitäten Graz und Wien studiert und bereits an zahlreichen Grabungen mitgewirkt. 2007 habilitierte sie sich im Fach Klassische Archäologie.

Ägyptologin

Irene Forstner-Müller übernimmt die Position von Manfred Bietak, der mit Ende September emeritiert. Sie war bis zuletzt dessen Stellvertreterin in Kairo. Die gebürtige Linzerin studierte an der Universität Wien Ägyptologie, klassische Archäologie und Feldarchäologie. Sie nimmt seit 1991 an den Grabungen des ÖAI in Tell el-Daba/Ägypten teil. Nach ihrer Promotion und Dissertation "Die Gräber des Areals A/II von Tell el-Daba" im Jahr 2002, avancierte sie im selben Jahr zur stellvertretenden Leiterin der Zweigstelle Kairo und zur Ko-Grabungsleiterin der Grabungen in Tell el-Daba. Seit 2002 unterrichtet Forstner-Müller an der Universität Wien, ihr Schwerpunkt ist die Ägyptische Feldarchäologie.

Forschungsschwerpunkte

Schwerpunktmäßig ist das ÖAI in den Mediterranen Hochkulturen tätig. An Zweigstellen in Griechenland und Ägypten, aber auch in Österreich, wird intensiv geforscht. Zuletzt hat es der außergewöhnliche Fund im Rahmen des Bernsteinstraßenprojekts im Mittelburgenland in die internationalen Schlagzeilen geschafft. Die größte und bekannteste Grabung des ÖAI ist jene in Ephesos. Bereits seit 114 Jahren forschen österreichische WissenschafterInnen in der 70 km von Izmir entfernt gelegenen Stadt. Das Projekt zählt weltweit zu den renommiertesten dieser Art. Auch die Zweigstelle in Kairo kann auf eine lange Tradition zurückblicken: So wurde beispielsweise ab 1912 der prestigeträchtige Platz bei den Pyramiden von Giza/Westfriedhof untersucht. Unter Manfred Bietak begannen ab 1966 die Arbeiten im östlichen Nildelta. (red)