Klaus Werner-Lobo will für die Grünen in den Gemeinderat: "Es ist falsch zu sagen, wir sind und bleiben eine 15-Prozent-Partei".

Foto: Paul Sturm

Klaus Werner-Lobo wirkt nicht wie ein abgebrühter Politiker. Und das will er auch nicht werden. "Wenn ich merke, dass ich zynisch werde, ziehe ich die Notbremse und höre auf", so der 42-jährige Journalist, Clown und Buchautor ("Schwarzbuch Markenfirmen" und andere). Werner-Lobo will als grüner Gemeinderat für die kommende Wien-Wahl kandidieren, am 15. November stellt er sich der Vorwahl für die grüne Liste. Warum er den Schritt in die Parteipolitik macht? "Ich war immer schon politisch aktiv, nur eben nicht parteipolitisch", erzählt der Mann, der meistens unter dem Etikett „Globalisierungskritiker" angekündigt wird - obwohl im "Kapitalismuskritiker" mehr zusagt.

"Politik ist ein bisschen wie Kindererziehung"

Den Ausschlag für die Kandidatur habe die kommende Wien-Wahl gegeben, erklärt er, die "grauslich werden wird". Er sei oft als Vortragender in Schulen, und "ich merke, dass ich an die Jugendlichen rankommen kann, sie zu Engagement und Respekt bewegen. Mich macht es wahnsinnig, wenn die Jugendlichen zu den Rechten überlaufen".

Sein Rezept dagegen: "Politik ist ein bisschen wie Kindererziehung: Kinder und Erwachsene brauchen Empathie und Grenzen". Ein Politiker, der den Menschen nicht zunächst mit Wohlwollen begegne, habe "seinen Job verfehlt".
Werner-Lobo geht nicht unvorbereitet in das Abenteuer Parteipolitik. "Ich hab mich vor zwei Wochen entschieden, das machen zu wollen - und gleich darauf beschlossen, mit 30 Leuten aus verschiedensten Bereichen der Grünen zu sprechen", erzählt er. Er wollte ausloten, ob seine Kandidatur ankommt. Es wurden dann 40 Gespräche, und sie seien alle "offen, ehrlich, und vor allem sehr großzügig" verlaufen, erzählt er.

Keine "feindliche Übernahme"

Ganz so selbstverständlich ist das nicht. Werner-Lobo war als Grüner Vorwähler aktiv, eine Initiative einiger Blogger, die nicht nur für positives Echo bei den Grünen sorgte. Von "Autobusdemokratie" wurde gemunkelt, einige Grüne fürchteten unlautere Absichten der VorwählerInnen, sogar von der Gefahr einer "feindlichen Übernahme" wurde gesprochen. Bei den Grünen sieht man heute in der Kandidatur Werner-Lobos aber keine konzertierte Aktion der VorwählerInnen. War man überrascht? "Es hätte uns sehr gewundert, wenn keiner von ihnen kandidiert hätte", meint Robert Korbei, Grüner Wiener Landesgeschäftsführer, gegenüber derStandard.at. Über Werner-Lobo findet er kein schlechtes Wort. Ganz ohne Seitenhieb auf die VorwählerInnen geht es aber nicht: "Was mir auffällt: Auf www.ichkandidiere.at ist bisher keine einzige Frage an die KandidatInnen gestellt worden. Da hätte ich mir mehr Engagement von ihnen erwartet".

Für den grünen Stadtrat David Ellensohn ist die Kandidatur Werner-Lobos "das Gegenteil von überraschend. Ich unterstütze ausdrücklich, dass er kandidiert", so Ellensohn. Die Grünen sollen "so offen wie möglich sein - sonst hätten wir ja eine Homepage wie www.ichkandidiere.at nicht gemacht", so Ellensohn.

"Identifikationsfigur für die VorwählerInnen"

Wie erklärt er sich gewisse Vorbehalte in der Vergangenheit? "Natürlich war die Angst da: Wir machen die Tür auf, jeder kann reinkommen - und dann macht sich hier die FPÖ-Bezirksgruppe breit", so Ellensohn. Ob er denkt dass die grünen VorwählerInnen geschlossen für den Kandidaten aus "ihren" Reihen stimmen werden? "Sicher nicht, dazu sind zu viele unterschiedliche Ansichten da". Klaus Werner-Lobo werde aber eine "Identifikationsfigur für die VorwählerInnen sein", ist Ellensohn überzeugt.

Ein "Unbequemer" sei er, aber einer mit viel Herz, charakterisierte ein Wiener Grüner Werner-Lobo. Und das will er sich bewahren, Parteipolitik hin oder her: "Ich weiß, ich kann im Gemeinderat nicht die Welt verändern - aber die Utopie einer gerechteren, solidarischeren, liebevolleren und nachhaltigeren Welt will ich mir trotzdem bewahren". Für die Grünen sieht er ein viel größeres Wählerpotential als das derzeit erreichte. "Ich denke, man soll da durchaus auch mutiger sein und sagen, man will langfristig Mehrheitspartei werden", meint Werner-Lobo. "Es ist falsch zu sagen, wir sind und bleiben eine 15-Prozent-Partei". (Anita Zielina, derStandard.at, 30.9.2009)