Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/Schlager

Wien - Stundenkürzungen, familiäre und interkulturelle Probleme, die in die Schule getragen werden und Lehrer, die mit diesen zusätzlichen Konflikten überfordert sind - das sind laut einer Untersuchung die brennenen Probleme an manchen Pflichtschulen im 15. Wiener Gemeindebezirk. Woraufhin Experten, Pädagogen und Oppositionspolitiker forderten, dass Schulsozialarbeiter eingesetzt werden.

Neun schon im Dienst

Nun leistet Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) dem Wunsch vieler Pädagogen folge, wie derStandard.at erfuhr: Neun Schulsozialarbeiter haben vor wenigen Tagen ihren Dienst angetreten. Insgesamt sollen in ganz Wien 20 bis 30 Stellen besetzt werden, nach geeigneten Kandidaten wird noch gesucht.

Die Sozialarbeiter agieren nicht nur innerhalb der Schule, sondern auch außerhalb und sollen so zur Nahtstelle zwischen Schule und Lebensumfeld der Schüler werden, so der Wunsch des Bildungsstadtrats. Zudem sollen sie in ihrem Tätigkeitsfeld nicht an eine einzige Schule gebunden sein, sondern regional vernetzt agieren. Ausgehend von Rudolfsheim-Fünfhaus, wo zwei Schulsozialarbeiter nach dem Lehrerdiensterecht angestellt werden sollen, soll je ein Schulsozialarbeiter auch im 2., 10., 12., 16., 20., 21. und 22. Bezirk tätig sein, wobei die Einsatzgebiete in der Pilotphase "flexibel und mobil" gestaltet werden.

Vernetzung Schule-Daheim

Die Schulsozialarbeiter sollen das tun, wozu Lehrer weder die Ausbildung noch die Befugnis haben: Zu den Schülern nach Hause gehen und sich auch der Konflikte im persönlichen Umfeld der Kinder annehmen. Die Schulsozialarbeit beginne "bei sozialem Lernen im Unterricht, vertrauensbildenden Maßnahmen, geht weiter zu Krisengesprächen, Vernetzungsarbeit mit Eltern und anderen Institutionen bis zu Hausbesuchen, Vermittlung oder konkreter Hilfestellung für Kinder und Familien", sagt Oxonitsch. "Die Experten des sozialen Lernens sind zwar in der Schule verankert, ihr Arbeitsfeld endet aber nicht am Schultor. Das ist ein Paradigmenwechsel und bedeutet eine weitere wichtige qualitative Erweiterung des Systems Schule."

Bisher keine Schulsozialarbeiter

Bisher gab es keine Schulsozialarbeiter an Wiener Schulen. Es gibt zwar andere interne und externe Unterstützungseinrichtungen wie etwa die Schulpsychologen, diese haben aber ein anderes, nämlich psychologisches Aufgabengebiet. Das alles aber war nicht ausreichend, beklagten Pädagogen in einer Bestandsaufnahme an Pflichtschulen im 15. Bezirk, die Oxonitsch in Auftrag gegeben hatte (derStandard.at berichtete).

Birgit Hebein, Grüne-Bezirksrätin in Rudolfsheim-Fünfhaus ist froh über Oxonitsch' Entscheidung: "Viele Dinge sind noch nicht bis ins Detail durchgeplant, aber man muss dem Projekt eine Chance geben." Drei Jahre habe sie für Schulsozialarbeit gekämpft, nun sei das Ziel erreicht: "Grundsätzlich ist das ein wichtiger Schritt in Richtung Gewaltprävention und Konfliktlösungen bei Jugendlichen und auch eine Entlastung für LehrerInnen, Elternhaus und Jugendamt". (Marijana Miljkovic, derStandard.at, 30. September 2009)