Washington - Zum ersten Mal seit mehreren Jahren hat es zwischen den USA und Kuba wieder Gespräche auf höherer Regierungsebene gegeben. Wie das US-Außenministerin am Dienstag  bestätigte, kam die stellvertretende Abteilungsleiterin im Außenamt, Bisa Williams, bei einem jüngsten Besuch unter anderem mit dem kubanischen Vizeaußenminister Dagoberto Rodriguez zusammen. Die unangekündigten hochrangigen Gespräche seien die ersten dieser Art seit mehreren Jahren gewesen, sagten Gewährsleute aus dem US-Außenministerium.

Wie es weiter hieß, hatte die Visite am 17. September ursprünglich nur kurz sein sollen und Gesprächen über eine Wiedereröffnung des Postverkehrs zwischen beiden Staaten gegolten. Auf kubanische Einladung hin sei der Besuch dann aber auf sechs Tage ausgedehnt worden. Williams habe verschiedene kubanische Regierungsbeamte, Vertreter der Opposition und ziviler Organisationen getroffen. Zu den Gesprächsthemen mit der offiziellen Seite hätten auch Migrations- und Wirtschaftsfragen gezählt. Zudem habe Williams von Hurrikans verwüstete Gebiete besucht.

"Abkehr von einer mindestens zehn Jahre alten Standard-Praxis"

Der Sprecher des US-Außenamts, Philip Crowley, sagte, Williams habe eine "Gelegenheit genutzt, weitere Gespräche über bestimmte Fragen zu führen". Er würde dies aber nicht als "irgendeine Art von Durchbruch" charakterisieren, fügte Crowley hinzu. Die "Washington Post" zitierte indessen eine Kuba-Expertin am renommierten Forschungsinstitut Council on Foreign Relations mit den Worten, es sei das erste Mal seit Jahren, dass ein US-Diplomat die Gelegenheit zu derartigen Gesprächen erhalten habe. Dies und die Erlaubnis zum Reisen innerhalb des Landes sei "definitiv eine Abkehr von einer mindestens zehn Jahre alten Standard-Praxis", sagte die Expertin, Julia Sweig, weiter.

Bereits im Juli sprachen die USA und Kuba nach sechsjähriger Unterbrechung erstmals wieder über Einwanderungsfragen. amnlass der jetzigen Gespräche waren die Postverbindungen. Diese sind seit der Verhängung der US-Sanktionen gegen Kuba vor einem halben Jahrhundert unterbrochen.

US-Präsident Barack Obama will Schritt für Schritt die Beziehungen zu Kuba normalisieren, nachdem das Embargo nicht zu der erwünschten Demokratisierung Kubas geführt hat. Er hat sich seit seiner Amtsübernahme um eine Verbesserung der Beziehungen zu Kuba bemüht. Unter anderem hob er Beschränkungen bei Familien-Besuchen auf und gab grünes Licht für Investitionen von US-Firmen im kubanischen Telekommunikationsbereich. (APA/AP)