Zwei, die sich eher unsympathisch sind: Roland Düringer (li.) und Fritz Karl in "Der Fall des Lemming".

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Über das Verhältnis der beiden Polizisten Wallisch (Fritz Karl) und Krotznig (Roland Düringer) lässt der Prolog des Films keinen Zweifel aufkommen. Kompetenzstreitigkeiten werden hier noch auf zünftige Art ausgetragen: Wallisch wird als Lemming bezichtigt, der lässt daraufhin die Hosen runter, um zu zeigen, was er für ein Prachtkerl ist.

Womit auch die schmierige Gangart von Nikolaus Leytners Krimigroteske nach einem Stefan-Slupetzky-Roman, Der Fall des Lemming, deutlich wäre: Das Gerangel zweier Alphatierchen, die zwar nicht mehr für dieselbe Einrichtung arbeiten, sich aber immer noch gerne ihre Männlichkeit beweisen, begleitet hier die Aufklärung eines Mordes an einem pensionierten Gymnasiallehrer (Miguel Herz-Kestranek).

Abgesehen vom Krimiplot, der zu ehemaligen Schülern des ob seines autoritären Habitus' nicht eben beliebten Lateiners führt, geht es in dem Film - frei nach dem erfolgreichen Vorbild Wolf Haas' - auch um die komische Ausgestaltung lokaler Milieus sowie der Existenzkämpfe des Privatdetektivs Wallisch.

Das unverblümte Recycling von Versatzstücken - vom Spiel mit Wiener Schmäh des unerreichten Kottan ermittelt bis zu den (näherliegenden) Mann-Hund-Routinen von Kommissar Rex - ergibt noch keine glaubwürdige Neuinstandsetzung des Hauptstadtkrimis. Dafür wirkt Der Fall des Lemming inhaltlich zu zerfahren, die Pointen sind zu flach, und der Tonfall ist immer eine Spur zu übertrieben. (kam, DER STANDARD/Printausgabe, 01.10.2009)