Wien - Laut Umweltbundesamt beträgt der Anteil "Wohnen" an den gesamten Treibhausgasemissionen rund zehn Prozent. Mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln an den durch Wohnen verursachten Emissionen ist der private Einfamilienhausbereich führend. Auf gemeinnützige Miet- sowie Eigentumswohnungen entfallen laut einer Studie des Verbandes Gemeinnütziger Bauvereinigungen jeweils rund zehn Prozent. Das entspricht somit lediglich je einem Prozent der Gesamtemissionen.

Seit 1990 haben sich die CO2-Emissionen der privaten Haushalte aufgrund von Sanierungsmaßnahmen, optimiertem Neubau und Umstellung auf weniger schädliche Energieträger trotz Flächenzuwachses um zehn Prozent (entspricht einem Prozent der Gesamtemissionen) reduziert. Im Gegenzug erhöhte sich etwa der CO2-Emissionsanteil des Lkw-Gütertransports von 1990 bis 2005 von drei auf elf Millionen Tonnen. Allein der Güterverkehr bläst mittlerweile insgesamt mehr Treibhausgas in die Atmosphäre als der gesamte Wohnraumsektor.

Unabhängige Studien fehlen

Die thermische Sanierung von Wohngebäuden stellt also zwar einen wichtigen, aber nicht den vorrangig zu diskutierenden Bereich dar. Tatsächlich ist er einer der wenigen, die laut Klimaschutzbericht 2009 seit 2004 rückläufige Treibhausgasemissionen ausweisen.

Fachleute warnen allerdings davor, zu einseitige Berechnungen zum Maß aller Dinge und Normen zu erklären. Derzeit wird landläufig lediglich der Heizwärmebedarf berechnet, nicht aber die energetische Gesamtbilanz. Zwar verbrauchen Niedrigenergie- und Passivhäuser deutlich weniger Heizenergie, der erforderliche Stromverbrauch etwa durch Lüftungsanlagen und Kühlung fließt allerdings in die Gesamtprimärenergiebedarfsberechnungen nicht ein. Obwohl nur die Gesamtbilanz tatsächlich aussagekräftig ist, stehen breit angelegte unabhängige Studien dazu derzeit noch aus.

Größtes Potenzial im Einfamilienhaussektor

Das größte Sanierungspotenzial liegt nach wie vor im Einfamilienhaussektor, und hier besteht die einfachste Maßnahme schlichtweg darin, die oberste Geschoßdecke zu dämmen. In Deutschland wurde eine entsprechende Sanierungspflicht bereits vorgeschrieben, was laut Helmut Schöberl von den Bauphysikern Schöberl&Pöll "absolut Sinn macht". Fachleute wie er sprechen sich dringend für vernetzte Planungsteams aus. Nur wenn Bauphysiker, Haustechniker, Architekten und Bauindustrie gemeinsam agieren, können optimale Resultate erzielt werden.

Eine derartige gesamtheitliche Betrachtung hält auch Buwog-Geschäftsführer Gerhard Schuster für die einzig sinnvolle. Im Falle der zu sanierenden Wohnhausanlage Peter-Jordan-Straße (der Standard berichtete) werde man erst nach umfassenden Gutachten und in Abstimmung mit Wohnungsbesitzern und Mietern zu einer umweltgerechten und für alle optimalen Lösung kommen. (Ute Woltron, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.10.2009)