Ásgeir Jónsson:
Der Fall Island.
Wie internationale Spekulanten ein Land an den Rand des Staatsbankrotts brachten,
Finanzbuchverlag,
Euro 20,50.

Kaum ein Land, das von der Finanzkrise so durchgebeutelt wurde wie Island. Kaum auch ein Land, das vorher so sehr auf der Boomwelle mitgeschwommen war, die von Finanzinnovationen und aggressiven Bankern ausgelöst worden war. Ásgeir Jónsson, Chefvolkswirt der Kaupthing Bank, schildert, wie das Land in einen Finanzstrudel gerissen wurde, der in eine Art Banken-Run auf isländische Banken im Inland und auch deren Töchter im Ausland mündete.

Drei isländische Banken - an der Spitze Kaupthing - hatten in den Jahren davor eine aggressive Expansionspolitik gefahren. Eine leicht überforderte Zentralbank hatte billiges Geld bereitgestellt. Mit Beginn der weltweiten Finanzkrise präsentierte sich Island als das, was heute neudeutsch "overbanked" bezeichnet wird, und was, wie wir jetzt wissen, brandgefährlich ist.

Die 300.000 Einwohner zählende Insel wurde wie kein anderes europäisches Land in den Finanzstrudel gerissen. Innerhalb von nur einer Woche zerfiel annähernd der gesamte Bankensektor des Landes. Außerdem war das Land bereits auf dem Radar internationaler Hedgefonds, die die Währung nach dem Muster des Finanzspekulanten Soros an die Wand fahren wollten. Ein empfehlenswertes Buch, das die jüngsten Ereignisse klug zusammenfasst. Leider wurde es in einer winzigen Schrift gedruckt. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.10.2009)