Wie auch immer die Situation dort ist, viele Menschen sind durch den Krieg und die Folgen schwerst gezeichnet. Bei uns heißt es dann aber oft, die würden übertreiben und es sei ja eh' alles nicht so schlimm.

Da habe ich einen Tschetschenen bei mir, der hat epileptische Anfälle, die durch Schussverletzungen verursacht wurden. Seinen Vater haben sie ermordet, sein Bruder wurde durch einen Stich in die Nieren umgebracht. Nun hat der Mann seine Wohnung verloren, weil er sie nicht bezahlen kann. Daraufhin hat ihm das Sozialamt einfach die gesamte Unterstützung gestrichen. Begründung: Er sei ja obdachlos.

Dass er weniger kriegt, weil er keine Miete mehr zahlt, ist OK. Aber alles zu streichen, ist nur Schikane.

Gesagt haben sie ihm gesagt, er soll im März wieder kommen. Im März! Und was soll bis dahin geschehen?

Der Mann ist ja dermaßen daneben, dass er kaum wo wohnen kann, wo andere Tschetschenen sind - so viel Angst hat der. Aber alleine sollte er auch nicht wohnen - denn was passiert, wenn er einen epileptischen Anfall bekommt, und niemand ist bei ihm?

Ich habe dann telefonisch nachgefragt, was denn da los ist. Mir haben sie dann gesagt, dass er sehr wohl noch etwas kriegen müsste. Als ich weitergebohrt habe, stellte sich heraus, dass "versehentlich" nichts mehr angewiesen wurde.

Da frage ich mich: Was passiert mit denen, wo niemand nachhakt? Und warum tut man einem Menschen, dem es eh' schon dermaßen schlecht geht, so etwas an? Fehler können ja passieren - aber warum häufen sich solche Vorfälle?