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Courage und Weltbewusstsein: Csoklich. 

Foto: APA/GUENTER R. ARTINGER

Mit regionalem Journalismus gab er sich nie zufrieden. Fritz Csoklich, der die "Kleine Zeitung" rund 40 Jahre, von 1960 bis 1994 als Chefredakteur, zur führenden Bundesländerzeitung ausbaute, ist am Donnerstag 80-jährig in Graz gestorben.

Die überregionale Stunde des gebürtigen Wieners schlug im Jahre 1964, als er zusammen mit Hugo Portisch und Gerd Bacher das Rundfunk-Volksbegehren initiierte. Dieser mediale Demokratieschub führte schließlich auch zum Sturz der großen Koalition. Das ORF-Interesse blieb: 2001 gehörte er dem ORF-Weisenrat an.

Anfang der 60er-Jahre hatte er gegen die Konservativität der Steiermark das Zweite Vatikanische Konzil mit einem einprägsamen, leicht verständlichen Kommentar-stil in der Landeskirche popularisiert. Gleichzeitig ermöglichte er publizistisch die Gründung des Forum Stadtpark und den literarischen Aufbruch in Graz.

In den 60er-und 70er-Jahren initiierte Csoklich mit dem SPÖ-Politiker Rupert Gmoser den Dialog zwischen Kirche und Arbeiterschaft. Seine Einladungen an Dissidenten in Polen und in der ČSSR, über den realen Kommunismus zu schreiben, trugen zur Aufweichung der Diktaturen bei.

Csoklich hat mit seinem journalistischen Vorbild jüngeren Journalisten in seiner Zeitung Courage und Weltbewusstsein vermittelt. (Gerfried Sper/DER STANDARD, Printausgabe, 23.10.200)