Unter meinen Freunden ist es kein Geheimnis, im Gegenteil, dass ich als Anglophile nahezu besessen bin. (Bei meinem letzten 3-tägigen Besuch in London war ich viermal im Theater und verehre sogar die Queen). Und der Inbegriff englischer Lebenskultur ist nun einmal eine Afternoon Tea Party wenn schon nicht im Savoy, dann doch wenigstens in meinem Wohnzimmer. Mit Jacksons of Piccadilly Breakfast Tea oder Fortnum and Mason's Royal Blend, scones, clotted cream und cucumber sandwiches, versteht sich.

Daher zucke ich jedes Mal (unmerklich, wohlgemerkt, die Amerikaner würden das nicht besonders schätzen) zusammen, wenn von der Boston Tea Party des Jahres 1773 gesprochen wurde. Der Hintergrund ist ja hinlänglich bekannt: Die von den Engländern kolonialisierten Amerikaner hatten es satt, Steuern zu zahlen, ohne jedoch im englischen Parlament vertreten zu sein ("No taxation without representation"). Sie reagierten auf die hohen Steuern, die auf Tee eingehoben wurden und warfen schlicht und einfach Kisten um Kisten Tee von den einlaufenden Schiffen in den Hafen von Boston. Das löste die amerikanische Revolution aus, und obwohl mein Herz immer für Revolutionäre schlägt, tut es mir doch um den guten englischen Tee leid, der da so verschwendet wurde.

Heute ist die Lage etwas anders: Viele Konservative, allen voran Rush Limbaugh, Fox News und eine Reihe von Republikanern, sind eigentlich über das Bailout der Banken verärgert, haben das aber überkompensiert und auf den so genannten Tax Day (15. April) konzentriert. In vielen Städten protestieren sie gegen die Art und Weise, wie ihre Steuern verwendet werden – aber nicht mit gutem und handverlesenem Tee, sondern mit TEABAGS. Ich bitte.