Wien/Hamburg - Die Europäer sollten nicht nur reden, sondern endlich den Krieg stoppen, fordern laut "Spiegel Online" am Samstag mehrere Kommentatoren in der arabischen Presse und fragen erbost: "Was ist das Ziel eures chaotischen Schreiens?" Lob kommt dagegen im Internet von der Hisbollah: Der Papst würde sich mutig gegen die Amerikaner wenden und ein neues Zeitalter des Rechts begründen.

Unter der warnenden Überschrift "Das Erdbeben kommt!" holt Zakaria Nil in der ägyptischen Zeitung "al-Ahram" zu einem Rundumschlag aus und greift mit scharfen Worten auch die Europäer an. "Es ist offensichtlich, dass die Staaten der europäischen Union nichts anderes können als reden. Und so kommt es, dass sie keinerlei Rolle beim Aufhalten der amerikanisch-britischen Kriegsmaschinerie im Irak spielen. Nicht anders bei der Liga arabischer Staaten: man benutzt keine stärkeren Mittel als Erklärungen und Appelle; und so kann der irakische Präsident - möge Gott ihm verzeihen - die Araber in ihrem Dilemma um sich sammeln."

"Chaotisches Schreien"

Der Kommentar beklagt, dass die Unmutsbekundungen gegen den Krieg sich mehr in Karikaturen ausdrücken als zu konkreten Schritten gegen den Krieg führen und fragt die Araber, aber vor allem die Europäer: "Was ist das Ziel eures chaotischen Schreiens und der irreführenden Appelle?"

Auch der stellvertretende Ministerpräsident des Libanon, Assam Faris, ruft laut der libanesischen Zeitung "as-Safir" die Europäer auf, tätig zu werden.

Der Generalsekretär der schiitischen Hisbollah Hassan Nasrallah lobt dagegen "die arabischen und internationalen Volksbewegungen, die den Krieg ablehnen." Die Informationsplattform der libanesischen Partei im Internet berichtet weiter: "Dabei schätzt Nasrallah besonders den Standpunkt des Vatikans und der christlichen Welt, die seiner Meinung nach ein neues Zeitalter der Werte des Rechts und der Gerechtigkeit begründen, um dem entgegenzutreten, was Amerika in den kommenden Jahrzehnten zu formen versuchen wird. Die Welt ist inzwischen in zwei Lager gespalten. Aber nicht auf die Weise von Bin Laden, der in Moslems und Christen einteilt, die einander unversöhnlich gegenüberstehen, sondern in Unterdrückte und Schwache in der Welt, die den Unterdrückern und Hegemonialisten entgegentreten."

Amerika habe es auf die ganze Region abgesehen. "Al-Hayat" weitet diese Befürchtung aus und spricht von einem "Dritten Weltkrieg", der sich im Zuge des Irakkriegs entfachen könnte. Das in London erscheinende Blatt macht die "amerikanische Politik eines neuen Imperialismus" dafür verantwortlich.

Der Imam der Heiligen Moschee in Mekka Scheich Salih Bin Hamid rief laut der kuweitischen Zeitung al-Watan dazu auf, den Krieg zu stoppen: "Seine Fortsetzung bedeutet, den Hass und die Differenzen zwischen den Völkern zu schüren."

Nach ersten Hilfstransporten in den Südirak beschwert sich unterdessen eine Kommentatorin der kuweitischen Zeitung "al-Rai al-Aam" über die "undankbaren" Iraker. "Viele von denen, die sich auf die Hilfslieferungen stürzen, wollen nur die Kartons, wollen nicht reden. Jeder, den die Kamera einfängt, spricht sich frei gegen die Amerikaner aus, aber nur vorsichtig gegen Präsident Saddam Hussein." (APA)