Graz - Etwas lahm begann die Besetzung der Grazer Vorklinik, in der sich drei der größten Hörsäle der Grazer Karl-Franzens-Universität befinden, am Freitag. Zu Mittag versuchte man im Hauptgebäude in die Aula einzudringen, doch dort fanden gerade Promotionen und Sponsionen statt, deren Gäste die Türen von innen - wenig solidarisch - zuhielten.

Die nahe gelegene Vorklinik war das nächste Ziel, vor dem man sich brav - schlechte Musik aus der Konserve hörend und warmes Bier aus Dosen trinkend - aufhielt und Stunden lang darauf wartete, dass die letzte Vorlesung zu Ende ging. Dann erst, um Punkt 18.10 Uhr wollte man einen Hörsaal in der Vorklinik besetzen. Spontanität sieht anders aus. Zwischendurch bat die ÖH-Frauenreferentin Natalie Ziermann (VSSTÖ) die rund 50 Studierenden über ihr Megaphon, ihren Müll vom Boden zu entsorgen.

ÖH-Vorsitzender Cengiz Kulac (Gras) setzte dann einen abendlichen Auftritt beim derzeit in Graz laufenden Musik- und Diskursfestival Elevate durch. Er gesellte sich zu Anti-Globalisierern und Ökologen auf das Podium im Dom im Berg und erhielt regen Zuspruch. Später wurde die Stimmung auch im besetzten Hörsaal auf der Vorklinik, den die Polizei vorerst nicht räumen will, etwas kämpferischer. An einer Skype-Verbindung zwischen Graz und Wien wurde um 22.30 noch gebastelt. In der Nacht kamen schließlich noch über hundert Studierende - um zu bleiben. Die Aktion wird bis auf die FPÖ-Gruppierung RFS von allen ÖH-Fraktionen getragen. (red/Colette M. Schmidt, derStandard.at, 23.10.2009)