Wien - Eine Rede im Plenum des Nationalrates bringt nichts - zumindest, wenn das Hauptziel öffentliche Aufmerksamkeit ist und aus Sicht der Politiker betrachtet. Von 154 befragten Spitzenpolitikern halten nur sieben Prozent sie für ein wirksames Mittel. 80 Prozent sind hingegen überzeugt, dass es wesentlich besser ist, Informationen Journalisten exklusiv zuzuspielen. Das geht aus einer Studie hervor, die Bestandteil des neuen Buches von Fritz Plasser, Dekan der Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Innsbruck, ist.

Politik in der Medienarena will einen kritischen Einblick in das Spannungsfeld Politiker-Journalisten geben - und die politische Kommunikationskultur aufzeigen. Neben den Politikern wurden auch 146 Journalisten befragt. Einig ist man sich in einem Punkt: BeideSeiten sehen negative Konsequenzen des verstärktenbetriebswirtschaftlichen Drucks auf die Redaktionen. Den gibt es auch von der Politik. Als häufigste Form der Einflussnahme wird im Buch die klassische Intervention genannt - jeder zweite Journalist fühlt sich betroffen, im ORF-Fernsehbereich sind es sogar 80 Prozent.

Boulevard-Demokratie

Höchst unterschiedlich fällt die Beurteilung in einem anderen großen Themenbereich aus: So bezeichnet jeder dritte Politiker die Kronen Zeitung als sein persönliches Leitmedium. Gleiches sagen nur sieben Prozent der Journalisten. Um Macht und Einfluss der Krone zu messen, haben Plasser und seine Koautoren die Nationalratswahl 2008 analysiert. Der Politologe spricht von einer "problematischen Boulevard-Demokratie" . Einzig die Krone betrachtet, gab es für den damaligen ÖVP-Kandidaten und späteren Wahlverlierer Wilhelm Molterer nichts zu gewinnen. Hätten nur regelmäßige Krone-Leser wählen dürfen, wäre die ÖVP sogar auf den dritten Platz hinter die FPÖ abgestürzt.

Molterer kam in zweiDritteln der Kommentare schlecht weg, nur vier Prozent der Leserbriefe sahen seine Arbeit positiv. Beim SPÖ-Kandidaten und jetzigen Kanzler Werner Faymann waren es hier 40 Prozent. Die Folgerung: "Offensichtlich hat die Neuausrichtung der SPÖ in Sachen EU zu einer inhaltlichenAllianz" geführt. (pm, DER STANDARD, Printausgabe, 3.11.2009)