Minsk /Wien - Weißrussland erwägt offenbar eine Anerkennung der von Georgien abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien. Die Nationalversammlung Weißrusslands hat am Donnerstag beschlossen, eine Arbeitsgruppe zur Frage der Anerkennung der Unabhängigkeit der beiden Gebiete zu bilden, wie die russische Agentur RIA Novosti am Donnerstag berichtete. Eine mögliche Anerkennung Abchasiens und Südossetiens soll vom weißrussischem Parlament in der nächsten Woche erörtert werden.

Eine weißrussische Parlamentarier-Delegation werde in der zweiten Novemberhälfte die Regionen Abchasien und Südossetien besuchen und dort die politische Führung, Parlamentsmitglieder und Einwohner treffen. Anschließend soll eine Entscheidung bezüglich Anerkennung oder Nichtanerkennung fallen. Auch ein Treffen mit russischen Parlamentariern ist geplant.

Nach einem Krieg mit Georgien im Sommer 2008 hatte Russland Abchasien und Südossetien als eigenständig anerkannt. Bisher sind nur die Linksregierungen in Nicaragua und Venezuela dem russischen Beispiel gefolgt und haben die beiden abtrünnigen Gebiete als Staaten anerkannt. Venezuela erhielt kurze Zeit später einen russischen Kredit über umgerechnet knapp 1,5 Milliarden Euro für den Kauf von Panzern und Raketensystemen. Im Gegenzug für russische Waffenlieferungen könnte demnächst auch Ecuador, ein politisch enger Verbündeter der beiden anderen lateinamerikanischen Staaten, einem Zeitungsbericht zufolge die beiden abtrünnigen georgischen Regionen als unabhängige Staaten anerkennen.

Vor knapp einem Jahr hatten sich RIA zufolge Abchasien und Südossetien mit Anträgen auf Anerkennung an Weißrussland gewandt. (APA)