Fotolöwe Robert Hartlauer

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Standard: In Krisenzeiten steigt der Zigarettenkonsum. Wollten Sie mit dem Rauchen nicht aufhören?

Hartlauer: Ich habe vorher fest geraucht und rauche auch jetzt fest, aber nicht mehr als früher. Bei uns gibt es auch keine Krise. Die Stimmung unter den Konsumenten ist gut, und ich bin auch für das kommende Jahr zuversichtlich. Wird es nicht so, dann muss man eh reagieren. Wäre ich kein Optimist, wäre ich nicht selbstständig, wäre ich sicher kein Kaufmann und würde keine Kinder in die Welt setzen.

Standard: Hartlauer hat handfeste Krisen erlebt. Anfang der 90er-Jahre stand der Betrieb an der Kippe.

Hartlauer: Wir waren damals in einer schweren Phase, die durch zu rasche Expansion passiert ist. Innerhalb eines Jahres hatten wir die doppelte Anzahl an Geschäften. Es hat dreieinhalb Jahre gedauert, bis sie leichte Erträge abgeworfen haben. Mein Vater erkannte, dass es sehr eng wird, und ging zur damals größten Bank. Die hat fällig gestellt. So. Und weil eine fällig gestellt hat, haben alle fällig gestellt. Das wäre fast das Ende gewesen, hätte nicht eine Bank, von der wir das nicht erwartet haben, eine Umschuldung ermöglicht. Mein Vater setzte alles, was er privat hatte, aufs Spiel. Ich habe das sehr präsent miterlebt.

Standard: Was lernt man daraus?

Hartlauer: Dass man froh sein kann, wenn man zwei Freunde hat. Dass Neid scheußlich ist: Geht es einem nicht gut, spürt man die Freude anderer darüber. Man lernt, dass man sich nicht an Umsätzen und Marktanteilen begeilen soll, sondern sich am Ertrag orientieren muss. Große Unternehmen bieten große Möglichkeiten - aber auch hohe Risiken. Riskante Dinge, mit denen ich großen Umsatz machen könnte, lasse ich aus. Ich will organisch wachsen und mich nie in die Abhängigkeit von Banken begeben.

Standard: Muss man nur groß genug sein, um gerettet zu werden?

Hartlauer: Ich beschäftige 1500 Mitarbeiter, und ich rechne nicht damit, dass mir der Staat hilft, sollte es mir schlechtgehen. Oft wird so getan, als ob alle Arbeitsplätze weg wären, wenn man nicht hilft. Das stimmt so ja nicht. Ich denke, dass jeder Eingriff in freie Marktwirtschaft gefährlich ist, da er die Wettbewerbsbedingungen verfälscht.

Standard: Ihre Gewinne sind zuletzt laut Bilanz stark geschmolzen.

Hartlauer: Unser Ertrag ist generell sehr konstant. 2007/08 haben wir mit Unterhaltungselektronik aufgehört und Verluste in Slowenien ausgeglichen. Daher war er geringer, heuer ist er wieder gestiegen.

Standard: Die Industrie liefert auf Kommission an Sie und erhält dafür Einsicht in die Warenwirtschaft. In Ihrer Branche ist das unüblich.

Hartlauer: Es ist nicht generell so. Es gibt aber zum Teil gemeinsames Entscheiden. Ich sehe auch das Preisrisiko als eine geteilte Aufgabe. Gebe ich auf Waren Rabatte von 38 Prozent, heißt das ja nicht, dass ich vorher damit um 38 Prozent mehr verdient habe, sondern dass mir der Lieferant gestützte Einkaufspreise gibt, damit wir insgesamt mehr umsetzen.

Standard: Der Handel schlägt sich heuer trotz Krise gut - da müssten doch höhere Gehälter drinnen sein? Kaum eine Branche zahlt so schlecht wie der Handel.

Hartlauer: Ich bin auch dafür, dass die Arbeitnehmer mehr Geld verdienen. Dafür gehört aber eine Senkung der Lohnnebenkosten her. Es wundert mich, dass es keinen Aufschrei in der arbeitenden Bevölkerung gibt, wenn die Hälfte der Gehälter an die Steuer geht. Was kollektivvertraglich erhöht wird, soll Betrieben durch niedrigere Lohnnebenkosten erspart werden. Uns hat die jüngste KV-Erhöhung vier Millionen Euro gekostet. Das muss erst einmal verdient werden. Ich verstehe die Politik nicht, die Firmen mit vielen Beschäftigten schlechterstellt.

Standard: Soll man das Vermögen höher besteuern?

Hartlauer: Das lässt sich nicht administrieren. Wie bewertet man eine Firma, wie ein Haus? Das geht ja von bis. Die Konjunktur kann man außerdem nicht mit höheren Steuern stärken.

Standard: Haben Sie schon einmal überlegt, in die Politik einzusteigen?

Hartlauer: Nein. Da gibt es Geeignetere. Wenn ich von was überzeugt bin, mache ich es. Ich bin zum Umsetzen da und nicht zum Diskutieren. Ich werde spinnert, wenn ein Thema, das eh schon klar ist, noch stundenlang diskutiert wird. Aber die Politik muss wie Konzerne lernen, langfristig zu denken. Unternehmer haben durch die Krise hoffentlich begriffen, dass es nichts bringt, für Quartalskurse zu arbeiten. Für die Politik gilt das Gleiche.

Standard: Viele Ihrer Mitbewerber wechselten den Besitzer. Hat es Sie nie gereizt zu verkaufen? Sie könnten Christian Niedermeyer in die Seitenblicke-Gesellschaft folgen.

Hartlauer: Ich bin ja noch nicht einmal 35, warum soll ich verkaufen? Ich habe Spaß an der Arbeit. Würde ich das theoretisch tun, würde ich das ganze Geld in ein anderes Unternehmen investieren.

Standard: Sie könnten Cosmos kaufen.

Hartlauer: Das wussten wir schon vor 15 Jahren, dass wir das könnten. Aber diese Strukturen passen nicht zu uns.

Standard: Sie halten mit Ihren Filialen in Stadtzentren die Stellung, die aussterben. Konsumenten gehen lieber in Einkaufscenter. Stehen Sie hier auf verlorenem Boden?

Hartlauer: In manchen Städten wird seit 1000 Jahren eingekauft. Seit 20 Jahren gibt es irgendwelche billig gebauten Einkaufshallen ohne Seele. Die ersten dieser Center werden nun hässliche alte Burgen. Es wird wieder einen Gegentrend dazu geben, ich gehe ja auch nicht in der Halle Skifahren, wenn ich das auch im Freien tun kann. Wir bleiben in den Altstädten. Neun von zehn Städten machen aber einen Fehler: Es fehlen Gratisparkplätze.

Standard: Mitarbeiter können in Ihrer Hartlauer-Akademie u.a. Kurse zum Thema Rock 'n' Roll und Weltreligionen besuchen. Das ist löblich, aber was bringt Ihnen das?

Hartlauer: Sie werden glücklichere Menschen, und glücklichere Menschen sind bessere Verkäufer. Ich bin kein Sozialverein, sondern ein Unternehmer, der Geld verdienen will. Aber hier profitieren beide.

Standard: Jeder in Österreich kennt Ihr Gesicht ...

Hartlauer: Nein, nicht jeder. Acht von hundert kennen es nicht.

Standard: Sicherlich eine gute Werbung. Aber das muss Sie doch auch gewaltig nerven?

Hartlauer: Die Vorteile überwiegen. Mein Gesicht ist halt genauso bekannt wie das Logo. Jedes Bild von mir ist indirekt Werbung fürs Unternehmen. Der Kunde sieht auch, dass es ein österreichischer Privatbetrieb ist. Will ich meine Ruhe haben, ist es halt oft ein bissel schwer. Stadtfeste, Livekonzerte meide ich. Es ist nicht lustig, wenn einen hundert Leute anschauen. Bin ich mit meinen Kindern unterwegs, gelten andere Gesetze, da akzeptiert man mich als Privatperson. In Steyr, wo ich daheim bin, lässt man mich angelehnt, das ist sehr angenehm.

Standard: Reißt es Sie noch immer, wenn Sie sich im Fernsehen sehen?

Hartlauer: Ich habe komplett aufgehört fernzusehen. Aber nicht, weil ich mich so oft sehen würde. Es ist mir zu blöd geworden, ich sag, wie es ist. Ich hasse Oberflächlichkeit, ich mag keinen Smalltalk, keinen Society-Quatsch und keine Talkshows. Das fadisiert mich gewaltig.

Standard: Sie haben nicht studiert, keine teure Privatschule besucht ... Wie wird man Unternehmer?

Hartlauer: Es braucht kaufmännisches Verständnis. Ein akademischer Titel ist keine Garantie dafür, um gut zu sein. Ich bin ein Mensch der Praxis, habe mir mit theoretischer Wissensaufnahme immer schwergetan. Uni stand nicht zur Diskussion. Ich habe eine Lehre gemacht und würde es wieder tun.

Standard: Zählen Sie mit, wie oft Mitbewerber Sie wegen Ihrer Preisvergleiche geklagt haben?

Hartlauer: Nein, aber Klagen gibt es immer wieder. Aktuell geht es etwa darum, wie man den größten Hörgeräteakustiker definiert. Für viele Mitbewerber ist Hartlauer immer noch Feindbild. Da wird jeder Beistrich im Prospekt rausgesucht, der nicht passt.

Standard: Sie pflegen ein konservatives Familienbild. Würde es Sie stören, wenn Ihre Frau beruflich erfolgreicher wäre als Sie?

Hartlauer: Stört mich alles nicht - vermutlich wäre sie aber dann nicht meine Frau. Ich wollte immer Kinder, und ich könnte nicht das leisten, was meine Frau täglich leistet. Sie macht die Mutterrolle perfekt. Hätte sie einen Fulltime-Job, könnte sie das so nicht. Oder es ginge vielleicht die Beziehung den Bach runter. Ich sehe für uns wenige andere Modelle, aber das soll jeder so machen, wie er will.

Standard: Sind Sie ein Macho?

Hartlauer: Kommt darauf an, wie man es definiert. Wenn es einer ist, der noch Mann sein will, dann sag ich, ich bin einer. Ich will definitiv ein Mann sein. Ich will keine weiblichen Züge übernehmen und will, dass Frauen Frauen sind. Warum muss eine Frau mit aller Gewalt gewisse Männerdisziplinen machen? Natürlich können auch Männer kochen und Frauen Reifen wechseln. Aber der Gentleman bleibt stehen und wechselt ihr den Reifen. (Verena Kainrath, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 6.11.2009)