Standard: Was macht Sie so sicher, dass das General-Motors-Werk in Wien-Aspern auch bei einem Verbleib Opels bei GM überleben wird?

Mitterlehner: Ich gehe davon aus, dass General Motors im wesentlichen die Magna-Pläne aufgreifen wird. In jedem Konzept - auch bei früheren Plänen von GM- hat Aspern gute Zukunftsaussichten. Daher gehe ich mittelfristig davon aus, dass Aspern als Standort nicht gefährdet ist.

Standard: Jetzt fehlt aber der Rückhalt der österreichisch angehauchten Magna für Aspern. Opel hat ja auch in Deutschland ein Komponentenwerk.

Mitterlehner: In Kaiserslautern werden keine Getriebe wie in Aspern gefertigt. Das ist nicht ohne weiteres austauschbar.

Standard: Rechnen Sie mit einem Antrag von Opel auf Gewährung von Staatshaftungen in Österreich?

Mitterlehner: Ich gehe davon aus, dass GMin den nächsten Tagen seine Sanierungskonzepte vorlegen wird. Dabei wird GM wie beim Plan von Magna um Haftungen und Kredite ansuchen. Wir werden nach dem Motto Gleichbehandlung aller Unternehmen im Rahmen des Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetzes Haftungen anbieten können.

Standard: Im Volumen von 200 Millionen Euro wie beim Konzept von Magna?

Mitterlehner: Ich kann dem nicht vorgreifen. Aber ich nehme an, dass die bisherigen Vorarbeiten in die Konzeption einfließen. Ich glaube nicht, dass die Finanzkraft von Opel schon so erstarkt ist, dass man auf keinerlei Investitionshilfen angewiesen ist.

Standard: Wie sehen Sie den U-Turn von GM?

Mitterlehner: Der ganze Werdegang ist für die involvierten Regierungen schon sehr unbefriedigend. Zum zweiten hat man ein Jahr an Managementmöglichkeiten in Richtung Umstrukturierung verstreichen lassen. Im Prinzip ist das natürlich eine marktwirtschaftliche Entscheidung von GM, mit der der Markt alleine abgedeckt wird, anstatt an einem Konkurrenten nur beteiligt zu sein.

Standard: Was, wenn GM Opel in die Insolvenz schickt?

Mitterlehner: An erster Stelle stehen die Restrukturierung und die Einbindung der Länder mit Opel- Standorten. Sollte das scheitern, könnte die von Ihnen angesprochene Variante kommen. Dann kann man eine Insolvenz und eine Filetierung von Opel nicht ausschließen. Selbst in so einem Fall wären die Chancen für Aspern gut, weil man ein gut aufgestelltes Komponentenwerk nicht einfach aus dem Boden stampfen kann. Wie auch immer die Sache ausgeht: Aspern hat gute Chancen.

Standard: Wie sehen Sie die politische Dimension? GM wird ja von den USAund Kanada kontrolliert.

Mitterlehner: Die Kommentierung dieser Frage möchte ich mir nicht anmaßen, weil es um das deutsch-amerikanische Verhältnis geht. (Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 6.11.2009)