Wien - Der Fall des Eisernen Vorhangs ist Geschichte. Und vielleicht war das Jahr 1989 einer jener Augenblicke, in denen sich die disparaten Stränge des Zeitgeschehens für einen Wimpernschlag zu einem großen, logischen Ganzen verbanden, um gleich wieder auseinanderzudriften.

Manche riefen in der Folge - etwas voreilig - das Ende der Geschichte aus, andere pochten darauf, den Menschen im ehemaligen Ostblock sei es allein darum gegangen, wie im Westen zu leben. Vieles was bis heute in dieser Causa diskutiert wird, geht, wie der rumäniendeutsche Autor Richard Wagner schreibt, auf das "Konto der Betrachtungsweise". Es hat mit der Erzählperspektive zu tun, würden Schriftsteller sagen. Um Perspektiven wird es ab heute auch bei der dreitägigen Veranstaltung "Dilemma 89" im Wiener Odeon-Theater gehen.

Autoren wie Ottó Tolnai (Ungarn), Olga Tokarczuk (Polen) oder Daniela Dahn, welche die DDR-Oppositionsgruppe "Demokratischer Aufbruch" mitbegründete, lesen aus ihren Texten. Peter Waterhouse redet mit Eva Horn und Alfred Gusenbauer mit Yale-Professor Thimothy Snyder über das Verhältnis von Literatur und Geschichte (beides in der Alten Schmiede), während Josef Haslinger, Daniela Dahn, Wolfgang Müller-Funk, Richard Wagner und Dragan Velikic über 1989 diskutieren.

Höhepunkt der Veranstaltung, das stand schon vor dem Nobelpreis fest, ist eine Lesung Herta Müllers aus "Atemschaukel" (Sonntag, 20 Uhr). Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei. (Stefan Gmünder / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.11.2009)