In Frankreich ließ sich Kurt Absolon im letzten Jahrhundert zu Stierkampf-Motiven, wie diesem aus dem Jahr 1957, inspirieren.

Foto: Galerie Maier

Wien - In unmittelbarer Nähe zu Österreichs wertvollsten Kunstschätzen in imperialen Sammlungen, benachbarten Museen und dem Museumsquartier wird der ehemalige Regierungssitz deutscher und römischer Kaiser traditionell neun Tage lang zu einer Arena des heimischen Kunstmarktes umfunktioniert. Zum 41. Mal versammeln sich Österreichs Elite des Kunsthandels und einige aus dem Ausland angereiste Kollegen zur "Hofburg Messe für Kunst und Antiquitäten", dem herbstlichen Höhepunkt des hiesigen Markplatzes.

44 Teilnehmer, darunter vier aus Deutschland und einer aus Frankreich, präsentieren ein breites Angebotsspektrum, das zeitlich von der Antike bis zur Kunst der Gegenwart reicht.

Ob Barock, Renaissance, Empire, Biedermeier, Jugendstil, die frühe Moderne oder Zeitgenössisches - all diese Stile und Epochen haben eines gemeinsam: Ihre Künstler übersetzten die jeweiligen Neuerungen individuell mit den unterschiedlichsten Materialien in Kunstwerke aller Sparten.

Entsprechend den internationalen Gepflogenheiten stellt der Bereich bildende Kunst einen Messe-Schwerpunkt, der chronologisch mit Arbeiten auf Papier aus dem 16. Jahrhundert beginnt und mit zeitgenössischen Leinwand-Epen von Siegfried Anzinger (Galerie Thoman, Innsbruck) oder Skulpturen eines Bruno Gironcoli (Galerie Judith Walker, Rosental) endet.

Spannungsreiche Dialoge hat Robert Keil (Wien) inszeniert, er stellt eine männliche Aktzeichnung von Josef Bergler (1773) einer Skizze zu Alfred Hrdlickas Zyklus Die französische Revolution (1987) gegenüber, während eine italienische Aktdarstellung aus dem 16. Jahrhundert mit Nackedeis von George Grosz kokettiert.

Der deutsche Expressionismus ist besonders stark vertreten und bildet einen Kontrast zu der von heimischen Kunstschaffenden dominierten Klassischen Moderne: Die Galerie Rhomberg widmet Grosz eine Solo-Show mit 31 Feder- und Tuschzeichnungen (ab 4500 Euro) und drei Ölgemälden aus seiner späten Schaffensperiode im amerikanischen Exil. Vereinzelt trifft man auf seine Arbeiten, die Szenen des Berliner Nachtlebens schildern, auch bei Wienerroither & Kohlbacher (Abend, Farbkreide, um 1916) und Kovacek Spiegelgasse (Tuschzeichnung, 30er-Jahre).

Doppel-Personale

Museumswürdiges erwartet das Publikum in Quantität wie Qualität: Vor wenigen Wochen noch zierte Ferdinand Georg Waldmüllers 1843 gemalte Kranzeljungfer die Retrospektive im Belvedere, jetzt dürfen finanzkräftige Verehrer bei Lilly's Art (Wien) um die Gunst der biedermeierlichen Maid buhlen. Passend zu der Herbert Boeckl gewidmeten Nachfolgeschau hält die Galerie Maier (Innsbruck) die 1952 ausgeführte Spanische Landschaft bereit. Eine auch in der Menge überdurchschnittliche Würdigung setzt Schütz Kunst & Antiquitäten (Wien) in Szene, der Josef Dobrowsky und Willy Eisenschitz mit 40 Schlüsselwerken anlässlich deren 120. Geburtsjubiläums eine Doppel-Personale widmet. Neben Bestsellern wie Gustav Klimt oder Egon Schiele schenken der Kunstmarkt und seine Vertreter stets auch lokalen Spielarten künstlerischer Strömungen besonderes Augenmerk.

Die im Rahmen der Messe präsentierten Protagonisten haben sich in der Gunst des Publikums längst einen Platz gesichert: Eine Olga Wisinger-Florian als führende Vertreterin des Stimmungsimpressionismus (Blumenstrauß, Kovacek & Zetter) genauso wie der aus dem Nötscher-Kreis hervortretende Gerhart Frankl (Stillleben mit Früchten, Giese & Schweiger, Wien), Albin Egger-Lienz' bodenständiges OEuvre (u. a. Wetterzirben, Kovacek Spiegelgasse, Wien) ebenso wie Hans Bischoffshausens charakteristischer Informel (Wilfried Magnet, Völkermarkt; Judith Walker, Rosental) oder die heimischen Ausnahmekünstler Arnulf Rainer (u. a. Galerie Richard Ruberl) oder Hermann Nitsch (u. a. Art Kratochwill, Wien). (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.11.2009)