Höchste Zeit, dass wir uns hier einmal krisenhaften Aspekten der Kommunikation zuwenden. Höchste Zeit deshalb, weil unqualifiziertes, fieses oder effektiv trottelhaftes sprachliches Sich-Entäußern in den privaten oder öffentlichen Raum das Krebsübel der Gegenwart ist.

Wir leben in einem freien Land, zum Glück. Das bedeutet aber auch, dass jeder Schwachmatiker ungestraft am laufenden Meter Stuss, Nonsens und Gemeinheiten von sich geben darf. Schlimmer noch: Alle anderen müssen sich den Stuss, den Nonsens und die Gemeinheiten auch am laufenden Band anhören.

Eine besonders tückische Art der krisenhaften Kommunikation ist die Information mit beschränkter Haftung (ImbH). Sie funktioniert so: Ihr alter Bekannter Meier kommt auf Sie zu und meint: "Haben Sie schon gehört? Herr X und Frau Y haben ein Verhältnis miteinander. Ist das nicht unglaublich? Aber: Das haben Sie nicht von mir!"

Andere ImbH-Varianten: "Das bleibt aber unter uns." "Wenn Sie das jemandem weitererzählen, sind wir geschiedene Leute." "Wenn du verrätst, wie hoch das Angebot für die Buwog-Wohnungen ist, zieh ich auf der Stelle aus unserem gemeinsamen Büro aus."

Wann immer man in einem Gespräch mit einer ImbH konfrontiert wird, sollte man auf der Hut sein: Als ImbH-Empfänger kommt man leicht in die Bredouille. Denn selbstverständlich halten Sie sich treuherzig an das Schweigegebot, während die fünfundzwanzig anderen Empfänger der "vertraulichen" Nachricht wie die Bösen herumerzählen, dass Herr X und Frau Y ein Pantscherl miteinander haben.

Im schlimmsten Fall kommt Meier drei Tage später wie ein Berserker auf Sie zu und überhäuft just Sie mit Vorwürfen, Sie seien schuld daran, dass sich das XY-Gerücht wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitet. "Ich habe Ihnen doch gesagt, dass Sie das nicht von mir haben!" ImbHs sind Kommunikationsfallen der nicht zu unterschätzenden Art.

Ehe ich Sie nun aber aus der Lektüre dieser Kolumne entlasse, möchte ich Ihnen noch ein paar kleine Staatsgeheimnisse auf den Weg mitgeben: Wenn unser Bundespräsident das Wort ergreift, ist der Fadgasalarm nicht weit. Der Bundeskanzler hat keinen blassen Tau, worum es der EU auch nur annähernd geht. Und unser Finanzminister spachtelt andauernd zu viel. Sie können das gern weitererzählen. Nur eines, bitte: Von mir haben Sie das nicht. (Christoph Winder, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 07./08.11.2009)