Juan Muñoz' Rauminstallation von 1996 soll bei Sotheby's zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Dollar bringen.

Foto: Sotheby's

Es hätte schlimmer kommen können, als sich von 70 Prozent des Angebotes zu trennen und dabei 65,67 Millionen Dollar umzusetzen. Für österreichische Verhältnisse ist ein solches, auf lediglich 28 Besitzerwechsel basierendes Ergebnis gigantisch, mit den Maßstäben von Christie's gemessen eher so lala. Sechs der zehn am 3. November verzeichneten Top-Zuschläge der Sparte Impressionist & Modern Art lagen deutlich über den moderat angesetzten Schätzwerten. Nur vier Positionen, darunter der restituierte Pissarro Le Quai Malaquais (siehe der Standard, 31.10.2009) bei brutto 2,15 Millionen Dollar (netto 1,5-2,5 Mio.), blieben im unteren Taxenbereich hängen. Den höchsten Wert der Sitzung bewilligte ein asiatischer Privatsammler, der sich Edgar Degas' Danseuse brutto 10,72 Millionen Dollar kosten ließ.

Die auf sieben bis neun Millionen taxierte Pastellzeichnung von 1896 hatte noch nie zuvor in einem Auktionssaal den Besitzer gewechselt, stammt aus Privatbesitz und war ehemals Teil der von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Sammlung von Ludwig und Margret Kainer. Im Zuge eines nichtöffentlichen Agreements profitieren von diesem Geldsegen jetzt auch die Nachfahren. Und einmal mehr belegt ein solches Resultat auch, welchen Stellenwert restituierte Kunstwerke im Laufe des letzten Jahrzehnts für den Markt bekommen haben: vor allem in Zeiten, in denen die Akquisition angesichts der wirtschaftlich angespannten Situation immer schwieriger wird und für Erbengemeinschaften ein öffentlicher Verkauf meist die einzige Chance bleibt, die rechtmäßigen Anteile auszuzahlen.

Marc Porters stolz geschwellte Brust währte allerdings nur kurz. Zwar durfte der Präsident von Christie's Amerika anderntags noch weitere 22,78 Millionen Dollar aus zwei themenverwandten Sitzungen und damit ein Wochentotal von 88,45 Millionen Dollar (60,71 Mio. Euro) notieren, aber der Vergleich zu 2008 könnte dann doch mehr als nur ein flaues Gefühl im Magen verursachen: In fünf Sitzungen hatte man damals noch 221,8 Millionen Dollar (174,65 Mio. Euro) einspielen können. Zu Porters Überdruss betrat dann noch Kontrahent Sotheby's die Marktbühne - mit einer stärkeren, weil mit renommierteren Provenienzen ausgestatteten Fraktion. Vorweg, Sotheby's Chef-Auktionator Tobias Meyer trieb den Verantwortlichen des Christie's Departments in den Abendstunden des 4. November die Blässe in die Mienen.

Hervorragende Absatzquote

Gleich fünf Mal peitschten private Kunstsammler die Werte in achtstellige Höhen, zwei neue Künstlerrekorde für Kees van Dongen (Jeune Arabe, 13,8 Mio. Dollar / 9,32 Mio. Euro) und André Derain (Barques au port de Collioure, 14,08 Mio. Dollar / 9,51 Mio. Euro) inklusive. Der höchste Zuschlag verpasste die 20-Millionen-Grenze nur knapp: 19,34 Millionen Dollar (13,07 Mio. Euro) schuldet ein Privatsammler Sotheby's nun für Alberto Giacomettis 1951 ausgeführte Bronze L'homme qui Chavire.

181,76 Millionen Dollar lautete das fulminante Ergebnis des Abends, zu denen sich weitere 30,83 Millionen über anderntags verzeichnete 165 Besitzerwechsel gesellten: 212,59 Millionen Dollar also insgesamt, womit man den Vergleich zu 2008 (250,61 Mio. Dollar) nicht scheuen braucht, schon weil allein die Absatzquote des Evening Sales von 64,3 auf hervorragende 84,8 Prozent stieg.

Angesichts dieser Bilanz und der unverhohlen ausgelebten Kauffreude auf dem Markt könnten die Vorzeichen für die kommende Woche ebenfalls in New York zur Verteilung gelangenden Werke der Sparte Contemporary & Post War nicht brillanter sein. Am 10. November will sich Christie's im Zuge des Evening Sales von 47 Werken trennen, die zwischen 67 und 94 Millionen Dollar bringen sollen. Am Abend des 11. November setzt Sotheby's mit 55 Positionen nach, die wenigstens 69, aber auch 99 Millionen Dollar bringen könnten. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 07./08.11.2009)