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Während Wiener Raiffeisen-Manager den Tiroler Vorstoß nicht als Pilotprojekt interpretieren wollen, sieht man es in Tirol etwas anders.

Foto: APA/Fohringer

Sollte es mit dem Versuchsballon klappen, dürften andere Banken folgen.

Wien – In aller Stille und weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die Raiffeisen Landesbank (RLB) Tirol ein – aus Konsumentensicht – österreichisches Tabu gebrochen. Das Institut verrechnet, als erstes in Österreich, seinen Kunden eine Gebühr bei Abhebungen am Bankomaten, und zwar bereits seit Juli dieses Jahres.

Hebt ein RLB-Tirol-Kunde beim Bankomaten einer "Fremdbank" (also bei der Raiffeisen-Konkurrenz wie Bawag, Sparkassen oder Bank Austria) irgendwo in Österreich Geld ab, so kostet ihn das pro Abhebung 60 Cent. Das bestätigt der Sprecher der RLB Tirol, Wolfgang Weninger. Auch rund zehn andere Tiroler Raiffeisenbanken hätten "dieses Modell" bereits im Einsatz; alte Kunden sollen aber eine Wahlmöglichkeit haben.

"Bisher nicht an Kunden weiterverrechnet"

Das "Postenentgelt", wie die Tiroler Raiffeisen-Banker die Bankomat-Gebühr nennen, ergebe sich aus dem Faktum, dass "die Bank, die den Bankomaten zur Verfügung stellt, ein Entgelt an die kontoführende Bank verrechnet". Die anfallenden Kosten seien "bisher von der RLB Tirol AG getragen und nicht an die Kunden weiterverrechnet" worden. In anderen Ländern würden bereits "seit Jahren erhöhte Entgelte berechnet", in Deutschland zwischen drei und acht Euro je Transaktion, rechnet man in der RLB Tirol vor.

Mit der Einhebung von Bankomat-Gebühren (sie sind fast überall in Europa üblich) liebäugeln österreichische Banker schon lange. Anders als in anderen Ländern ist das Bankomatennetz hierzulande ein einheitliches, organisiert wird es von der Paylife Bank, einer Gesellschaft, die den Banken gehört. Die Anschaffungskosten eines Bankomaten (zwischen 30.000 und 70.000 Euro je Stück) und die Kosten fürs Betreiben bezahlt die Bank, die das Gerät aufstellt.

Die Kosten, die dann "bankfremde" Kunden mit ihren Abhebungen verursachen, stellen die Banken ihrer Konkurrenz bisher in Rechnung, per "Standortentgelt". Genau um diese Kosten geht es nun, Raiffeisen Tirol wälzt die nun an ihre Kunden ab.

6900 Automaten in Österreich

Insgesamt gibt es in Österreich derzeit 6900 Geldausgabe-Automaten; 4300 davon sind "Indoor"-Bankomaten in den Foyers. Und: Die meisten Bankomaten hat der Raiffeisen-Sektor, er hat schließlich auch die höchste Filialdichte im Lande.

Insofern kein Wunder, dass der Vorstoß in Sachen Abhebegebühr aus dem Giebelkreuz-Sektor kommt – allerdings hat sich Raiffeisen Ende 2002 mit derselben Idee ordentlich verbrannt. Damals war die RLB NÖ Wien vorgeprescht und hatte für 2003 Abhebungsgebühren (55 Cent bzw. 30 Cent für Foyer-Automaten) angekündigt. Nach einem Aufschrei der Konsumentenschützer und von den Konkurrenzbanken argumentativ im Stich gelassen, musste der damalige RLB-Chef Peter Püspök seine Idee zur "betriebswirtschaftlich mehr als gerechtfertigen Preisgestaltung" zurücknehmen.

Während Wiener Raiffeisen-Manager den Tiroler Vorstoß nicht als Pilotprojekt interpretieren wollen, sieht man es in Tirol etwas anders. "Auch andere Sektoren werden dieses Entgelt einführen, da die Quersubventionierung auf Dauer nicht möglich ist", heißt es dort.

In der Branche dürfte man die Reaktionen der Kunden und Konsumentenschützer sehr interessiert beobachten – dass die Tiroler einen Versuchsballon steigen lassen, bezweifelt da niemand. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7./8.11.2009)