Ungewöhnliches Stadtbild: Kopien von Brueghels Meisterwerken im Wiener Stadtraum

Foto: D. Fejer

Wien - Das Wetter könnte schon ein wenig freundlicher dreinschauen, wenn das Kunsthistorische Museum zwei Wochen lang Meisterwerke seiner Gemäldegalerie buchstäblich auf die Straße schickt. Der Kunstvermittler des KHM hatte jedenfalls schon eine ziemlich rotgefrorene Nase, als er Freitagvormittag auf dem Stephansplatz bei Wind und Nieselregen seiner Profession, dem Kunstvermitteln, nachkam und verdutzten Passanten Geschichte und Finessen von Pieter Brueghels Turmbau zu Babel näherbrachte.

Hinaus aus dem Elfenbeinturm: Wenn die Menschen nicht ins Museum gehen, muss eben das Museum zu den Menschen kommen. Vor elf Monaten hatte Sabine Haag ihren Posten als KHM-Generaldirektorin mit dem Versprechen angetreten, das Haus offener und transparenter zu machen. Bei einem Open House zu Jahresbeginn konnte sie 32.000 Besucher begrüßen.

Nun lässt sie aufwändig hergestellte Kopien von zehn Gemälden - neben zwei Brueghels auch leicht vergrößerte Reproduktionen etwa von Raffaels Madonna im Grünen, Cranachs Judith und Holfernes, Velazquez‘ Infantin Maragrita in blauem Kleid und ein Selbstporträt von Rubens - je einen Tag lang an 29 verschiedenen Standorten aufhängen - und ihre Experten neben dieser Kunst im öffentlichen Raum mitunter eben auch im Regen stehen. "Wir sind keine Schönwetterkunstvermittler", sagt Haag, um diese Außendienste hätte es ein regelrechtes Griss gegeben. "Nicht nur Passanten werden Momente des Lernens haben, sondern wir auch", hofft sie auf die schwellenangstabbauende Wirkung dieser Freiluftkunstaktion. Die Gemälde-Kopien werden übrigens nach der Aktion versteigert, etwa für Licht ins Dunkel.

Doch nicht nur draußen vor der Tür, auch im Haus dürfte einiges zum Guten stehen: Die Finanzierung der Kunstkammer, für die sie 17 Millionen Euro benötigt, wird sie, so Haag, hoffentlich bald als erfolgreich abhaken können. (Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe, 07./08.11.2009)