"Welt Ahoi!" ist ein Glücksfall für Ö1. Das - positiv formuliert - unangepasste Kabarett verschafft dem österreichischen Bildungssender seltene Aufmerksamkeit, die Online-Foren füllt und Telefonserver überlastet. Die Hörer zeigen, wie viel ihnen an dieser letzten Bastion liegt. Ö1, du bist wichtig!

Dass wir in Österreich sind, lässt sich an der Ausformung der Kritik ablesen. Die grantelnden Vernichtungen mögen waschechten Einheimischen das Herz erwärmen. Der kakophonische Kanon, den die Satiriker in der Neuauflage daraus machen, gibt der alpenländischen Lieblingsbeschäftigung den richtigen Raum. Auch wenn das Eingehen auf die Kritik zum Teil selbstmitleidige Schatten wirft.

Lobenswert ist der prinzipielle Versuch, die bildungsbürgerlichen Klischees, die Ö1 mitträgt, durch den Kakao zu ziehen und selbstzufriedene Gelehrsamkeit zu ironisieren. Und endlich dürfen auch die Probleme der Welt da draußen wie Uni-Protest, 1989er-Gedenken und Integration mit einfließen.

Woran es liegt, dass es trotzdem nicht funktioniert? Weil dem "Vizeweltmeister im Faschingskrapfenessen", der sich in eine Figur Marcel Prousts verliebt, der Esprit fehlt. Namen wie Victor Hugo oder Goethe bewahren nicht automatisch vor Plattheiten im absurden Humor. Auch nicht Elias Canettis albernes Klavierklimpern. Zu überdreht, zu nervig gerät die Umsetzung. Die Hysterie der Hörer spiegelt das wider, Welt Ahoi! und seine Kritiker sind in der Hinsicht doch Freunde im Geiste.

Highlight der zweiten Sendung war das Referat eines Häfenbruders zur "feinen Klinge". Es stimmt: Ein elegantes Florett macht halt keine schöne Sauerei. Aber die feine Klinge wird auch leicht übersehen, ist sie von dicken Zoten verhangen. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 9.11.2009)