Wien - Nach einer "schweren Geburt" im Vorjahr hat es das Österreichische Filmfestival der Menschenrechte "This Human World" heuer "in die zweite Runde geschafft", wie sich die Organisatoren bei einer Pressekonferenz freuten. Vom 3. bis 13. Dezember gehen in Topkino, Burgkino und Schikaneder an die 130 Filme als Dokumente von Menschenrechten und deren Verletzung an den Start. "Das Medium Film hilft, Menschenrechte auf allen Ebenen - strukturell wie individuell - nachvollziehbar zu machen", betonte Roland Schmidt vom Boltzmann-Institut für Menschenrechte.

Eröffnungsprogramm

Eröffnet wird die diesjährige Ausgabe des Festivals mit der Europapremiere der österreichisch-amerikanischen Koproduktion "Fatal Promises" von Katharina Rohrer. Die Dokumentation über die weltweit zweitgrößte Schattenwirtschaft, den Menschenhandel, will anhand von Einzelschicksalen auf die Ausbeutung, Misshandlung und Täuschung von jährlich etwa 800.000 Menschen aufmerksam machen. Weitere Programmsektionen des Festivals sind den "Ländern im Fokus" Burma und Iran und den "Minderheiten und Mehrheiten" zur Situation von Homosexuellen gewidmet. "Beyond Gay" zeigt etwa die politische Bedeutung der Pride Parade, "Not Quite the Taliban" beleuchtet die Homophobie in muslimischen Gesellschaften.

Gewalt an Frauen

Gewalt an Frauen wird mit Filmen zur Weiblichen Genitalverstümmelung ("Mrs. Goundo's Daughter" fragt dabei auch nach der Bedeutung für Asylverfahren in westlichen Ländern) und der Ermordung hunderter Frauen in Ciudad Juarez ("On the Edge - The Femicide in Ciudad Juarez") thematisiert. Außerdem wurde die uigurische Menschenrechtsaktivistin Rebiya Kadeer eingeladen, um zu dem Film "10 Conditions of Love" über die Unabhängigkeit der Uiguren in China zu sprechen.

Österreichische Geschichte

Österreichische Geschichte steht im Zentrum von "Pizza in Auschwitz", zu dessen Premiere auch Danny Chanoch zu Gast ist: Der Protagonist der Dokumentation überlebte selbst drei Vernichtungslager und wird im Rahmen des Festivals auch in der Gedenkstätte Mauthausen mit Schülern zusammentreffen. Als Schulprojekt hat "This Human World" auch mit der AHS Rahlgasse zusammengearbeitet, bei dem Oberstufen-Schüler selbst Kurzfilme zu einzelnen Artikeln der Menschenrechtserklärung produziert haben.

Schwerpunkt 1989

Einen eigenen Schwerpunkt widmet das Festival heuer dem Mauerfall-Jubiläum. "1989-2009 Alles bleibt anders" versammelt etwa 30 Filme zu bedeutenden historischen Ereignissen vor allem in den ehemaligen Ostblock-Ländern sowie zu ihrem aufstrebenden kulturellen Leben. Die Regisseure, deren Werke präsentiert werden, verbindet nicht zuletzt oft das jahrelange Berufsverbot, mit dem sie vor dem Fall des Eisernen Vorhangs belegt waren.

"Nicht nur Film-Schauen", will das Festival sein, betonte Leiter und Initiator Johannes Wegenstein. Mit Karteneinnahmen und Spenden sollen zwei Projekte, eine afrikanische Musikschule mit 12.000 Euro und Wiener Stadtrundfahrten für Asylwerber mit 4.000 bis 5.000 Euro, unterstützt werden. Zusätzlich wollen Podiumsdiskussionen und die Verleihung des Menschenrechtspreises der Österreichischen Liga für Menschenrechte an die nigerianische Frauenaktivistin Joana Adesuwa Reiterer (10. Dezember) auch abseits der Leinwand die Hochhaltung und Unterdrückung der menschlichen Würde zur Sprache bringen. (APA)