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Die Zahl der Besucher ist laut Casinos-Chef Karl Stoss gleich geblieben, aber sie haben weniger ausgegeben.

Foto: AP/Lilli Strauss

Den Casinos Austria weht der Wind ins Gesicht: Eine interne Untersuchung evaluiert, mit welchen Standorten noch rentabel gewirtschaftet werden kann. Für das Auslandsgeschäft wird ein Partner gesucht.

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Wien - Eine ganze Reihe von Umständen seien es, die das Spiele-Monopol der Casinos Austria durchlöchern, meint Casinos-Generaldirektor Karl Stoss bei einer Pressekonferenz am Montag im Club der Wirtschaftspublizisten. Nicht nur die Finanzkrise knabbert an den Umsätzen der Casinos Austria. Auch wegen der vielen schwarz aufgestellten Automaten in Österreich werden die Umsätze heuer um rund vier Prozent sinken. Hatte der durchschnittliche Casino-Besucher vor der Krise, 2007, noch durchschnittlich 120 Euro pro Besuch verspielt, sind es heuer nur mehr 117 Euro.

In einem internen Papier der Casinos, das dem Standard vorliegt, wird die Situation dramatischer beschrieben, als der Casino-Chef bei der Pressekonferenz durchblicken ließ. Der Standort Baden wird als "Verlustbringer" bezeichnet, der deutlich verkleinert werden müsse. Ein "Gebietschutz" wird gefordert, dahingehend, dass mindestens zehn Kilometer im Umkreis von einem Casino (Ausnahme Wien) kein Automatensalon aufgestellt werden sollte.

Denn die hohe Zahl illegal aufgestellter Automaten ist den Casinos ein Dorn im Auge. Stoss, der dabei mit weniger Steuereinnahmen und mit Problemen mit dem Jugendschutz argumentiert, fordert eine "Soko Glücksspiel" . Diese sollte illegale Spielhallen kontrollieren und ihre Betreiber bestrafen. Nach den Vorstellungen von Stoss sollten alle Automaten mit einem Zentralrechner beim Finanzministerium verbunden sein, sodass die Spieleinnahmen online überprüft werden könnten.

Auch das Internet-Geschäft betrachtet der Casinos-Chef als zunehmende Konkurrenz, bei der es keine Waffengleichheit gebe. Win2day, die Internet-Spieleseite der Casinos Austria, sei das einzige Wettportal, das auf eine "Cool Down-Phase" seiner User bestehe, wenn der Internet-Wetter einen bestimmten Betrag verspielt hat.

Die meisten anstehenden Probleme der Branche ließen sich nur mit einem neuen Glücksspielgesetz regeln, erklärt Stoss. Eine Novelle ist schon seit Jahren in Vorbereitung, passiert sei jedoch deshalb nichts, weil die Bundesländer auf ihre Einnahmen aus dem so genannten kleinen Glücksspiel fürchten. Auch die Wirtschaftskammer mache sich nicht für eine Glücksspielnovelle stark sondern handle lieber im Interesse ihrer Mitglieder, der Wirte.

Doch muss die Gesetzesnovelle kommen, und zwar deshalb, weil die Konzessionen der insgesamt zwölf Casinos in Österreich auslaufen, und zwar bereits Ende 2012 für sechs Casinos, der Rest Ende 2015. Die Konzessionen für diese Betriebe müssen dann, erstmals in Österreich, EU-weit ausgeschrieben werden. Das kommende Glücksspielgesetz muss auch regeln, ob die zwölf Konzessionen einzeln vergeben werden oder in einem. Bis Dezember will die Gruppe über weitere Schritte bei der Suche nach einem Partner für das internationale Geschäft entscheiden. Weil internationale Investitionen anstehen, die die Casinos Austria allein nur schrittweise abarbeiten könne, wird unter der Ägide von Morgan Stanley derzeit ein Partner gesucht. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.11.2009)