Kabul - Der afghanische Außenminister Rangin Dadfar-Spanta hat den Westen in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. Die USA und europäische Länder mischten sich auf "unproduktive" Weise in die inneren Angelegenheiten Afghanistans ein und legten eine "Doppelmoral" an den Tag, sagte Spanta am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem schwedischen Außenminister und EU-Ratspräsidenten Carl Bildt.

Dabei verwies er auf westliche Forderungen, keine Kriegsherren am neuen Kabinett von Präsident Hamid Karzai zu beteiligen. Einmal seien diese Warlords "Verbündete", dann wieder Feinde, hielt Spanta insbesondere Washington vor.

Karzai hatte im Wahlkampf den mächtigen Warlord Mohammad Kasim Fahim aus der oppositionellen Nordallianz auf seine Seite gezogen: Der Kriegsherr kandidierte als sein Vizepräsident. Auch der berüchtigte Usbeken-Warlord Abdul Rashid Dostum unterstützte den Präsidenten. Fahim und Dostum werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Nach den von massiven Betrugsvorwürfen überschatteten Wahlen am 20. August habe es eine "problematische Phase" gegeben, sagte Bildt. "Nun brauchen wir einen Neubeginn."

"Entschlossener Kampf"

Spanta versprach zugleich einen entschlossenen Kampf der neuen Regierung gegen Korruption "Wir werden ein sehr sauberes und rechtschaffenes Kabinett haben", sagte er. Karzais Kabinett werde "neue Gesichter, glaubwürdige Gesichter" vorweisen, versprach der enge Vertraute des afghanischen Staatschefs weiter. Er habe mit Bildt auch über die umstrittene Präsidentenwahl und über die grassierende Korruption im Land gesprochen. "Die Regierung gibt zu, dass dies ein erhebliches Problem ist", versicherte Spanta.

Die USA machen Druck auf Karzai, nach der von massivem Wahlbetrug begleiteten Präsidentschaftswahl entschieden gegen die massive Korruption vorzugehen. Der Westen droht Karzai mit dem Entzug der Unterstützung, sollte er das Problem in seiner zweiten Amtszeit nicht in den Griff bekommen. Der afghanische Staatschef versicherte daraufhin im US-Fernsehen, dass es in der neuen afghanischen Regierung "keinen Platz" für korrupte Mitarbeiter geben werde.

Forderungen nach weiteren Soldaten aus der EU erteilte Bildt unterdessen eine Absage. Ihre Zahl werde in etwa unverändert bleiben, doch sei die EU bereit, ihre "wirtschaftliche und zivile Hilfe wesentlich zu erhöhen". "Wir haben uns langfristig engagiert", sagte er. Die EU-Mitglieder unterstützen Afghanistan derzeit mit einer Milliarde Euro jährlich. (APA)